Analyse: Wie hätte Instagram die Wahl in Sachsen-Anhalt entschieden?

Nach fast jeder Wahl wird über Social Media diskutiert und auch ausgewertet. Der Blick geht dabei aber fast immer auf dieselben Accounts: die Spitzenkandidierenden, ein paar reichweitenstarke Ausnahmen und die Parteizentralen. Was die breite Masse der Direktkandidierenden in den Wahlkreisen tatsächlich gemacht hat, bleibt meistens außen vor – und damit auch die Frage, ob sich der Aufwand für sie überhaupt gelohnt hat.

Für diese Analyse habe ich mir deshalb nicht die Spitzenkandidierenden herausgepickt, sondern alle 307 Direktkandidierenden zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt angeschaut – über alle Parteien hinweg, von der AfD bis zur Gartenpartei. Ausgewertet habe ich jeden eigenen Instagram-Post zwischen dem 1. Juni und dem Schließen der Wahllokale am 6. September, dazu die Collabs mit anderen Accounts und die amtlichen Wahlergebnisse.

Drei Fragen standen dabei im Mittelpunkt. Wie wäre die Wahl ausgegangen, wenn Instagram entschieden hätte? Wie intensiv haben die Kandidierenden Instagram überhaupt genutzt? Und hat sich dieser Einsatz im eigenen Ergebnis bemerkbar gemacht?

Inhaltsverzeichnis

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

Hätte Instagram-Reichweite über die Wahlkreise entschieden, hätte die AfD nicht 38, sondern nur 5 Direktmandate geholt.

Innerhalb der eigenen Partei hat mehr Aktivität auf Instagram bei der Erststimme meistens höchstens einen Prozentpunkt ausgemacht – entschieden hat in vielen Wahlkreisen das taktische Wählen gegen die AfD.

Wer viel Reichweite hatte, hatte sie selten ganz allein: Spitzenkandidierende, Parteistrukturen und Creator haben ihre Reichweite geteilt, und zwar je nach Partei nach einem ganz eigenen Muster.

307

Direktkandidierende in 41 Wahlkreisen, über alle Parteien hinweg ausgewertet

208

davon mit auswertbarem Instagram-Account

5.766

eigene Posts zwischen Juni und Wahltag

84,8 Mio.

Aufrufe mit eigenen Reels

34 von 41

Wahlkreisen mit anderem Gewinner, wenn allein die Reichweite gezählt hätte

107

Kandidierende waren auf Instagram praktisch nicht existent

Wenn Instagram gewählt hätte

Am Wahlabend war die Landkarte von Sachsen-Anhalt fast vollständig blau: 38 der 41 Wahlkreise gingen an die AfD, die übrigen drei an die Linke. Legt man stattdessen die Instagram-Zahlen der Kandidierenden zugrunde, sieht dieselbe Karte völlig anders aus.

Hätten die Follower entschieden, hätte in 31 Wahlkreisen jemand anderes gewonnen. Die CDU käme dann auf 10 Wahlkreise, die AfD auf 9, die SPD auf 8, Linke und Grüne auf jeweils 6. Zählt man statt der Follower die Aufrufe der eigenen Reels im Wahlkampf, wird der Unterschied noch größer: In 34 Wahlkreisen hätte es einen anderen Gewinner gegeben, und die AfD hätte nur noch 5 Direktmandate geholt. Stärkste Kraft wäre dann die CDU mit 13 Wahlkreisen, gefolgt von Linken und Grünen mit jeweils 7.

Nach Followern oder Reichweite hätten fast überall andere gewonnen.

Real hat die AfD 38 von 41 Wahlkreisen gewonnen. Hätten die meisten Follower entschieden, wären es nur 9 gewesen, nach der Reichweite der eigenen Reels sogar nur 5. Vorn läge dann jeweils die CDU mit 10 bzw. 13 Wahlkreisen, und in 31 bzw. 34 Wahlkreisen hätte eine andere Person gewonnen.

Wahlergebnis
Sieger:in nach Erststimmen
MagdeburgHalle
AfD38
Linke3
Nach Followern
meiste Follower im Wahlkreis · 31 Wechsel
MagdeburgHalle
CDU10
AfD9
SPD8
Linke6
Grüne6
PdF1
BSW1
Nach Reichweite
meiste Aufrufe eigener Reels · 34 Wechsel
MagdeburgHalle
CDU13
Linke7
Grüne7
SPD6
AfD5
BSW2
FDP1

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
WKWahlkreisRealNach FollowernNach Reichweite
1SalzwedelSimon Lansmann (AfD)Raik Ohlmeyer (Linke)Raik Ohlmeyer (Linke)
2Gardelegen-KlötzeSebastian Koch (AfD)Skady Herkenrath (SPD)Skady Herkenrath (SPD)
3Havelberg-OsterburgSebastian Killinger (AfD)Chris Schulenburg (CDU)Chris Schulenburg (CDU)
4StendalMatthias Büttner (AfD)Miriam Zeller (Grüne)Miriam Zeller (Grüne)
5GenthinUlrich Siegmund (AfD)Ulrich Siegmund (AfD)Ulrich Siegmund (AfD)
6BurgJan Scharfenort (AfD)Elrid Pasbrig (SPD)Markus Kurze (CDU)
7HaldenslebenDirk Lassowski (AfD)Tim Teßmann (CDU)Tim Teßmann (CDU)
8WolmirstedtFelix Zietmann (AfD)Vanessa Mertens (Linke)Katrin Gensecke (SPD)
9Oschersleben-WanzlebenThomas Schmirander (AfD)Guido Heuer (CDU)Guido Heuer (CDU)
10Magdeburg IOliver Kirchner (AfD)Oliver Kirchner (AfD)Oliver Kirchner (AfD)
11Magdeburg IIMustafa Groener (Linke)Mustafa Groener (Linke)Mustafa Groener (Linke)
12Magdeburg IIIChristian Mertens (AfD)Eva von Angern (Linke)Sven Schulze (CDU)
13Magdeburg IVRonny Kumpf (AfD)Ronny Kumpf (AfD)Olaf Meister (Grüne)
14HalberstadtChristian Hecht (AfD)Artjom Pusch (CDU)Artjom Pusch (CDU)
15BlankenburgArmin Friese (AfD)Florian Fahrtmann (SPD)Maximilian Schwartz (BSW)
16WernigerodeFrank-Ronald Bischoff (AfD)Armin Dr. Willingmann (SPD)Bianca Heine (CDU)
17QuedlinburgDennis Möhring (AfD)Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne)Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne)
18AscherslebenDaniel Rausch (AfD)Steve Daditsch (PdF)Andreas Michelmann (BSW)
19StaßfurtMatthias Büttner (AfD)Sven Rosomkiewicz (CDU)Seluan AI-Chakmakchi (SPD)
20SchönebeckTobias Rausch (AfD)Marlyn Waga (Grüne)Marlyn Waga (Grüne)
21BernburgJan Dr. Moldenhauer (AfD)Stefan Ruland (CDU)Stefan Ruland (CDU)
22KöthenVolker Olenicak (AfD)Felix Giesa (SPD)Felix Giesa (SPD)
23ZerbstPhillipp-Anders Rau (AfD)Tobias Böttcher (SPD)Luise Globig (Grüne)
24WittenbergAndreas Best (AfD)Beatrice Lindhorst (Grüne)Nico Elsner (CDU)
25JessenMatthias Lieschke (AfD)Alexander Riedle (SPD)Patrick Schubert (CDU)
26Dessau-RoßlauBurkhardt Ratzmann (AfD)Leonie Bronkalla (Grüne)Leonie Bronkalla (Grüne)
27Dessau-Roßlau-WittenbergNadine Koppehel (AfD)Nadine Koppehel (AfD)Karin Tschernich-Weiske (CDU)
28Bitterfeld-WolfenDaniel Roi (AfD)Daniel Roi (AfD)Daniel Roi (AfD)
29SaalekreisFlorian Schröder (AfD)Florian Schröder (AfD)Isabell Anton (Linke)
30EislebenReiner Kretschmann (AfD)Aick Pietschmann (SPD)Aick Pietschmann (SPD)
31SangerhausenAndreas Gehlmann (AfD)Matthias Redlich (CDU)Matthias Redlich (CDU)
32QuerfurtHans-Thomas Dr. Tillschneider (AfD)Eva Feußner (CDU)Andreas Tschurn (Linke)
33MerseburgDaniel Wald (AfD)Daniel Wald (AfD)Daniel Wald (AfD)
34Bad Dürrenberg-SaalekreisGordon Köhler (AfD)Frank Bommersbach (CDU)Julia Mayer (Linke)
35Halle IAlexander Raue (AfD)Hendrik Lange (Linke)Lena Zehne (Grüne)
36Halle IIGitta Hartenstein-Wiermann (Linke)Mamad Mohamad (Grüne)Gitta Hartenstein-Wiermann (Linke)
37Halle IIIJannik-Loris Balint (Linke)Claudia Dr. Wittig (BSW)Andreas Silbersack (FDP)
38Halle IVPaul Backmund (AfD)Paul Backmund (AfD)Julius Neumann (SPD)
39WeißenfelsDirk Jonas (AfD)Elke Simon-Kuch (CDU)Elke Simon-Kuch (CDU)
40NaumburgJuliane Waehler (AfD)Juliane Waehler (AfD)Juliane Waehler (AfD)
41ZeitzLothar Waehler (AfD)Nicklas Kurzweil (Linke)Nicklas Kurzweil (Linke)

Daten: Instagram (öffentlich, 01.06.–06.09.2026), Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt

Nur sieben der tatsächlichen Wahlkreissieger:innen lagen auch bei der Reichweite in ihrem Wahlkreis vorn. Wie weit Reichweite und Ergebnis auseinanderliegen können, zeigt Magdeburg III: Dort sind mit Sven Schulze (CDU, 2,84 Millionen Aufrufe) und Eva von Angern (Linke, 2,76 Millionen) zwei der fünf reichweitenstärksten Kandidierenden des ganzen Landes gegeneinander angetreten – gewonnen hat trotzdem der AfD-Kandidat, der auf Instagram im Wahlkampf selbst nicht sichtbar war.

Noch deutlicher wird das, wenn man nicht nur die Wahlkreise, sondern gleich den ganzen Landtag nach Followern verteilt. Dafür habe ich die Follower aller Wahlkreisbewerber:innen je Partei zusammengezählt und die 83 Sitze nach demselben Verfahren verteilt wie bei der echten Wahl. Die AfD käme dann auf 66 Sitze und damit auf eine klare absolute Mehrheit, die CDU würde mit 4,85 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Das liegt allerdings fast vollständig an einer einzigen Person: Ulrich Siegmund vereint 68 Prozent aller Follower im Land auf sich. Rechnet man ihn heraus, kippt das Bild komplett, und die Grünen wären mit 19 Sitzen stärkste Kraft.

Nach Followern hätte die AfD die absolute Mehrheit, und die CDU verfehlt die 5-%-Hürde.

Die Sitze sind hier genauso verteilt wie bei der Landtagswahl, nur mit den Follower-Summen der Parteien statt ihrer Zweitstimmen. Das Ergebnis zeigt vor allem, wie stark sich Reichweite auf einzelne Köpfe konzentriert.

Landtag real
amtliches Endergebnis, 83 Sitze
39Sitze AfD
AfD39
CDU15
SPD8
Grüne8
Linke8
BSW5
Landtag nach Followern
Follower-Summe je Partei, Hare/Niemeyer
66Sitze AfD
AfD66 absolute Mehrheit
CDU0 4,85 % der Follower, unter 5-%-Hürde
SPD6
Grüne6
Linke5
BSW0 1,21 % der Follower, unter 5-%-Hürde
Ohne Ulrich Siegmund
gleiche Rechnung, ein Account weniger
Ulrich Siegmund allein hält 68 % aller Follower sämtlicher Wahlkreisbewerber:innen. Nimmt man nur seinen Account heraus, kippt das Bild: Grüne 19 · SPD 18 · AfD 17 · Linke 15 · CDU 14. Der CDU fehlten mit Siegmund nur 1.641 Follower zur 5-%-Hürde.

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
ParteiSitze realnach Followernohne Siegmund
AfD396617
CDU15014
SPD8618
Grüne8619
Linke8515
BSW500
FDP000

Daten: Instagram (öffentlich, 01.06.–06.09.2026), Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt

Was heißt das für dich?

Reichweite ist kein Stimmzettel. Sie zeigt aber ziemlich genau, wer im Wahlkampf überhaupt die Chance hatte, von Menschen außerhalb der eigenen Partei wahrgenommen zu werden. Wie groß diese Chance tatsächlich war und warum sie trotzdem so oft nicht gereicht hat, zeigen die nächsten Befunde.

Fünf Typen von Kandidierenden

Um nicht nur Followerzahlen zu vergleichen, habe ich alle Kandidierenden anhand ihrer eigenen Posts und ihrer Collabs einem von fünf Typen zugeordnet.

Selbstmacher:innen haben im Wahlkampf mindestens zehn eigene Posts veröffentlicht und ihre Präsenz überwiegend selbst getragen. Netzwerker:innen haben ebenfalls regelmäßig selbst gepostet, waren aber mindestens genauso oft in Collabs mit anderen Accounts zu sehen. Beifahrer:innen haben kaum selbst gepostet und waren vor allem über Beiträge von Fraktion, Kreisverband oder anderen Accounts sichtbar. Gelegenheitsposter:innen haben ein paar eigene Posts abgesetzt, aber weniger als einen pro Woche. Und Unsichtbare hatten entweder keinen auffindbaren Account oder haben im Wahlkampf nichts veröffentlicht.

Das Ergebnis ist gespalten. 116 Kandidierende waren Selbstmacher:innen und 20 Netzwerker:innen – das sind zwei Drittel aller Kandidierenden mit auswertbarem Account. Gleichzeitig waren 107 Kandidierende auf Instagram praktisch nicht existent, also mehr als jede:r Dritte insgesamt.

Zwischen den Parteien sind die Unterschiede groß. Bei der SPD haben 32 von 41 Kandidierende regelmäßig gepostet, zusammen mehr als 1.500 eigene Beiträge – so fleißig war keine andere Partei. Die CDU folgt mit 30, die Linke mit 26 aktiven Kandidierenden. Bei AfD und Grünen war es jeweils nur etwa ein Drittel. Und bei der FDP hatten 41 Prozent der Kandidierenden gar keinen Instagram-Account, der sich finden ließ.

Jede:r Dritte war auf Instagram praktisch nicht existent.

Die Typen ergeben sich aus eigenen Posts und Collabs im Wahlkampf. Als aktiv gilt, wer mindestens 10 eigene Posts veröffentlicht hat, also rund einen pro Woche.

Selbstmacher
≥ 10 eigene Posts, überwiegend selbst
Netzwerker
≥ 10 eigene Posts, mind. die Hälfte Collabs
Beifahrer
< 10 eigene Posts, aber ≥ 5 Collabs
Gelegenheitsposter
1–9 eigene Posts
Unsichtbar
Account da, aber kein eigener Post
kein Account
kein Account gefunden
0 %25 %50 %75 %100 %SPDn = 4131678 % aktivCDUn = 41284573 % aktivLinken = 411979363 % aktivAfDn = 41133511739 % aktivGrünen = 41114143737 % aktivFDPn = 417851722 % aktivBSWn = 273231715 % aktivSonstigen = 344751812 % aktiv

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
ParteiSelbstmacherNetzwerkerBeifahrerGelegenheitsposterUnsichtbarkein Accountgesamt
SPD311216041
CDU282415141
Linke197932141
AfD1332511741
Grüne1141432741
FDP722851741
BSW311231727
Sonstige400751834

Daten: Instagram (öffentlich, 01.06.–06.09.2026), Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt

Was heißt das für dich?

Weniger als ein Post pro Woche ist im Wahlkampf kein Social-Media-Auftritt, sondern maximal ein Lebenszeichen. Wer Instagram ernsthaft nutzen will, braucht einen Rhythmus, der über die gesamte heiße Phase trägt – und nicht nur in den letzten zwei Wochen vor der Wahl.

Aktivität und Reichweite bringen kaum Erststimmen

Die naheliegende Vermutung wäre, dass sich der Aufwand im Ergebnis zeigt. Um das fair zu prüfen, reicht es allerdings nicht, einfach die Erststimmen zu vergleichen – sonst misst man vor allem, wie stark eine Partei in einem Wahlkreis ohnehin ist. Ich habe deshalb für jede Kandidatur den Kandidateneffekt berechnet: das Erststimmenergebnis der Person abzüglich des Zweitstimmenergebnisses ihrer Partei im selben Wahlkreis. Der Wert zeigt, wie viel jemand über die eigene Partei hinaus geholt hat.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Innerhalb der Parteien gibt es praktisch keinen Zusammenhang zwischen dem Kandidateneffekt und der Zahl der eigenen Posts, den Interaktionen, den Reel-Aufrufen, den Followern oder dem Verhältnis von Aufrufen zu Followern. Nicht nur wer viel postet, auch wer viele Menschen erreicht, holt deshalb nicht spürbar mehr Erststimmen. Von den 20 reichweitenstärksten Accounts im Land lagen zwar 15 über dem Schnitt ihrer Partei, im Median aber nur um 0,3 Prozentpunkte. Ulrich Siegmund kam mit 52 Millionen Reel-Aufrufen auf gerade einmal 1,5 Punkte mehr als der AfD-Durchschnitt. Das reichweitenstärkste Drittel jeder Partei lag zwar überall über dem Landesergebnis, aber vor allem, weil diese Kandidierenden in ohnehin starken Wahlkreisen angetreten sind. Aus eigener Kraft holten sie bei CDU, SPD, AfD, FDP und BSW nur 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte dazu. Bei der Linken sind es zwar 3,3 Punkte, doch ohne die drei Direktmandate aus Befund 4 kippt der Wert ins Minus. Bei den Grünen war es sogar umgekehrt.

Posts, Likes, Views: Die Erststimmen bewegt das kaum.

Hatten Kandidat:innen mit mehr Posts, Interaktionen oder Reel-Aufrufen einen höheren Kandidateneffekt als ihre Parteikolleg:innen? Fast alle Werte liegen im grauen Bereich.

Eigene PostsAnzahl im Wahlkampf−0,250,0+0,25InteraktionenLikes + Kommentare−0,250,0+0,25Reel-AufrufeAufrufe eigener Reels−0,250,0+0,25CDU−0,090,04−0,04AfD0,230,240,19Linke0,300,270,28SPD0,160,140,21Grüne−0,29−0,31−0,28FDP0,110,100,25BSW0,320,270,20Alle Parteien0,090,090,10So liest du das: ρ = Rangkorrelation mit dem Kandidateneffekt (Erststimmen der Person minus Zweitstimmen ihrer Partei im Wahlkreis), innerhalb jeder Partei.Grauer Bereich (−0,3 bis +0,3): kein oder nur schwacher Zusammenhang.
Randnotiz · Grüne
Als einzige Partei deutlich im Minus
Das reichweitenstärkste Drittel der Grünen trat dort an, wo die Partei ohnehin stark ist (Zweitstimmen +4,2 Pkt. über Land). Ihr Kandidateneffekt lag aber noch 2,8 Pkt. unter dem ohnehin negativen Schnitt der Grünen. Vermutlich wanderten die Erststimmen in den Städten gezielt zu Kandidat:innen, die gegen die AfD gewinnen konnten.

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
Parteiρ Postsρ Interaktionenρ Reel-Aufrufen
CDU−0,090,04−0,0441
AfD0,230,240,1941
Linke0,300,270,2840
SPD0,160,140,2141
Grüne−0,29−0,31−0,2841
FDP0,110,100,2541
BSW0,320,270,2027
Alle Parteien0,090,090,10

Daten: Instagram (öffentlich, 01.06.–06.09.2026), Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt · Kandidat:innen ohne Account zählen mit 0 · Linke ohne die 3 Direktmandate (B4): ρ ≈ 0,1

Am deutlichsten wird das bei den Gewinner:innen selbst: Unter den 41 Wahlkreissieger:innen waren 16 Selbstmacher:innen – und genauso viele, die auf Instagram im Wahlkampf gar nicht selbst sichtbar waren.

Die wahrscheinlichste Erklärung liegt in der Lage vor der Wahl. Die Erststimme war in Sachsen-Anhalt 2026 in vielen Wahlkreisen vor allem eine taktische Stimme gegen die AfD. Die CDU hat im Schnitt sechs bis acht Prozentpunkte mehr Erst- als Zweitstimmen geholt, ganz egal, wie aktiv ihre Kandidierenden waren. Bei den Grünen ist es genau umgekehrt: Ihre Kandidierenden holten landesweit 5,5 Prozentpunkte weniger Erst- als Zweitstimmen. Beim reichweitenstärksten Drittel, das vor allem in grünen Hochburgen angetreten ist, waren es sogar 8,3 Punkte, also noch einmal 2,8 Punkte mehr. Die Erststimmen sind dort vermutlich zu denjenigen gewandert, denen man den Wahlkreisgewinn gegen die AfD eher zugetraut hat.

Die Reichweitenstarken liegen vorn, aber kaum aus eigener Kraft.

Verglichen wird das reichweitenstärkste Drittel jeder Partei mit dem Landesergebnis der Partei. Wie viel kommt aus einer starken Region, wie viel hat die Person selbst geholt?

So liest du das, am Beispiel SPD: Die 14 SPD-Kandidat:innen mit der meisten Reichweite holten zusammen 0,9 Pkt. mehr Erststimmen als die SPD im Land. 0,4 Pkt. davon, weil die SPD in ihren Wahlkreisen ohnehin stärker war. 0,5 Pkt. haben sie selbst geholt.
① Rückenwind WahlkreisPartei dort stärker als im Land−4−20+2+4② Eigener BeitragKandidateneffekt über dem Parteischnitt−4−20+2+4① + ② VorsprungErststimmen gegenüber Landesergebnis−4−20+2+4Linke14 von 41+0,9+3,3+4,2Grüne14 von 41+4,2−2,8+1,4CDU14 von 41+0,7+0,4+1,2SPD14 von 41+0,4+0,5+0,9BSW5 von 27 · nicht belastbar*+0,0+0,4+0,4FDP11 von 41*+0,2+0,2+0,4AfD14 von 41+0,1+0,3+0,4Linke ohne die 3 Direktmandateohne Balint, Hartenstein-W., Groener−0,2−1,2−1,5

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
ParteiKandidat:innen① Region② Person① + ② gesamt
Linke14+0,90+3,27+4,17
Grüne14+4,16−2,81+1,35
CDU14+0,74+0,44+1,18
SPD14+0,41+0,52+0,93
BSW5+0,00+0,43+0,43
FDP11+0,18+0,25+0,42
AfD14+0,05+0,35+0,41
Linke ohne die 3 Direktmandate11−0,24−1,23−1,47

Daten: Instagram (öffentlich, 01.06.–06.09.2026), Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt · Reichweite = Aufrufe eigener Reels · stimmengewichtet · *weniger als ein Drittel mit Reels · Rundungsdifferenzen möglich

Was heißt das für dich?

In einer polarisierten Wahl entscheidet die Lagerfrage meistens stärker über die Erststimme als jedes Instagram-Profil. Das heißt allerdings nicht, dass Social Media egal ist. Es heißt, dass Social Media keine Wahlkreisstrategie ersetzt, sondern ein Teil davon sein muss. Wer nicht von vornherein als aussichtsreiche Option wahrgenommen wird, bekommt die Leihstimmen nicht – egal, wie gut die Reels sind.

Die Ausnahme - drei Direktmandate der Linken

Es gibt allerdings eine Stelle im Datensatz, an der Aktivität und Ergebnis zusammenfallen. Die drei höchsten Kandidateneffekte im ganzen Land haben drei Kandidierende der Linken erzielt, die ihre Wahlkreise auch direkt gewonnen haben: Jannik-Loris Balint in Halle III mit 26 Prozentpunkten über dem Zweitstimmenergebnis seiner Partei, Gitta Hartenstein-Wiermann in Halle II mit 17 und Mustafa Groener in Magdeburg II mit ebenfalls 17 Prozentpunkten.

Alle drei waren Selbstmacher:innen mit 55 bis 71 eigenen Posts im Wahlkampf, also vier bis fünf Beiträgen pro Woche. Und alle drei sind in Wahlkreisen angetreten, in denen sich die Stimmen gegen die AfD auf eine Person bündeln ließen. Man sollte den Befund trotzdem nicht überdehnen: Außerhalb der großen Städte verschwindet der Zusammenhang auch bei der Linken fast vollständig.

Drei Direktmandate, bei denen Social Media zum Faktor wurde.

Die drei höchsten Kandidateneffekte im Land, alle in Städten, in denen sich Stimmen gegen die AfD bündeln ließen. Zum Vergleich: Alle Linken-Kandidat:innen zusammen kamen auf +3,5 Pkt. und posteten im Median 16-mal.

WK 37 · Halle III · Direktmandat
Jannik-Loris Balint
Kandidateneffekt
+26,1 Pkt.
Zweitstimmen Linke13,8 %Erststimmen Balint39,9 %
55
eigene Posts
2.743
Follower
226 Tsd.
Reel-Aufrufe
WK 36 · Halle II · Direktmandat
Gitta Hartenstein-Wiermann
Kandidateneffekt
+17,4 Pkt.
Zweitstimmen Linke12,2 %Erststimmen Hartenstein-Wiermann29,6 %
71
eigene Posts
1.316
Follower
133 Tsd.
Reel-Aufrufe
WK 11 · Magdeburg II · Direktmandat
Mustafa Groener
Kandidateneffekt
+16,8 Pkt.
Zweitstimmen Linke12,6 %Erststimmen Groener29,4 %
58
eigene Posts
7.343
Follower
467 Tsd.
Reel-Aufrufe

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
NameWahlkreisKandidateneffektErststimmen %Zweitstimmen Linke %eigene PostsFollowerReel-Aufrufe
Jannik-Loris BalintHalle III+26,139,913,8552.743225581
Gitta Susann Hartenstein-WiermannHalle II+17,429,612,2711.316132973
Mustafa GroenerMagdeburg II+16,829,412,6587.343467135

Daten: Instagram (öffentlich, 01.06.–06.09.2026), Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt · andere Kanäle wie TikTok nicht erfasst

Was heißt das für dich?

Social Media wirkt am ehesten dann, wenn Wählende gezielt nach einer Person suchen, der sie ihre Stimme leihen können. In diesem Moment muss diese Person sichtbar sein – mit einem Gesicht, einer Haltung und einem klaren Grund, warum gerade sie die Stimme bekommen sollte.

Wer hebt wen?

Ein großer Teil der Reichweite im Wahlkampf war geliehen. Bei vielen Kandidierenden lagen die Aufrufe ihrer Collabs, also der gemeinsam veröffentlichten Beiträge mit anderen Accounts, deutlich über den Aufrufen der eigenen Reels. Spannend ist dabei weniger die Menge als die Frage, wer diese Reichweite zur Verfügung stellt – denn das unterscheidet sich zwischen den Parteien stark.

Bei der AfD läuft vieles zentral. Ulrich Siegmund und sein Team-Account haben sieben Wahlkreiskandidierende per Collab mitgenommen, das parteinahe Medium Deutschland-Kurier war an 70 Collabs mit AfD-Kandidierenden beteiligt. Dazu kommen Reels von Siegmund und dem Landesverband, in denen Kandidierende vorgestellt werden, die selbst gar keinen Account pflegen. Die Reichweite kommt hier also von oben und wird nach unten verteilt.

Bei der Linken trägt vor allem der Landesverband. Er hat 17 Kandidierende per Collab mitgenommen, dazu kommen Kreisverbände und die Landtagsfraktion. Bekannte Gesichter wie Bodo Ramelow oder Ines Schwerdtner und Creator wie maximal.demokratisch waren dabei, allerdings nur bei wenigen Kandidierenden. Unterm Strich haben die Linken-Kandidierenden mit Collabs mehr Aufrufe erzielt als mit ihren eigenen Reels.

Die SPD hat sich dagegen stark gegenseitig unterstützt: Fast jede vierte Collab-Verbindung lief bei der SPD zwischen zwei Kandidierenden – bei keiner anderen Partei war es so viel. Und die CDU fällt aus dem Muster heraus: Ihre Kandidierenden haben am wenigsten auf fremde Reichweite gesetzt, dafür hatte fast jede:r einen eigenen, aktiv bespielten Account. Wenn Collabs, dann vor allem mit der Landtagsfraktion und mit der Europaabgeordneten Alexandra Mehnert.

Diese Accounts haben die meisten Kandidierenden ihrer Partei per Collab mitgenommen (in Klammern: Zahl der Kandidierenden):

  • AfD: Deutschland-Kurier (8), Team Siegmund (7), AfD Sachsen-Anhalt (6), AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt (5), Ronny Kumpf (5)
  • Linke: Die Linke Sachsen-Anhalt (17), Eva von Angern (7), Antonia Kaloff (6), Die Linke Stendal (6), Linksfraktion Sachsen-Anhalt (6)
  • SPD: SPD Sachsen-Anhalt (24), Jusos Magdeburg (10), Franziska Kersten, MdB (9), Felix Giesa (8), Falko Grube (6)
  • CDU: CDU-Fraktion Sachsen-Anhalt (19), Alexandra Mehnert, MdEP (14), CDU Halle (4), CDU Burgenlandkreis (4), Christina Stumpp, MdB (4)
  • Grüne: Thomas Steinke (12), Grüne Sachsen-Anhalt (7), Grüne Jugend Sachsen-Anhalt (7), Fraktionsvorsitzende Conny Lüddemann (7), Olaf Meister (7)
  • FDP: FDP-Fraktion Sachsen-Anhalt (4), Jörg Bernstein (4), FDP Anhalt-Bitterfeld (3), Riccardo Hermann (3)

Was heißt das für dich?

Collabs sind für kleine Accounts meistens der schnellste Weg zu mehr Reichweite. Sie haben aber einen Haken: Die Aufrufe gehören dem Account, der den Beitrag veröffentlicht, und nicht dir. Wer nur als Beifahrer:in unterwegs ist, baut keine eigene Community auf, die nach der Wahl noch da ist.

Tragen die Parteien ihre Kandidierenden?

Neben Creatorn und Spitzenkandidierenden sind natürlich auch die eigenen Parteistrukturen Verstärker – also Landesverband, Landtagsfraktion, Kreis- und Ortsverbände und die Jugendorganisationen. Wie stark sie ihre Kandidierenden tatsächlich mitnehmen, unterscheidet sich enorm.

Bei Linken und Grünen haben die Kreisverbände mehr als 90 Prozent ihrer Kandidierenden mit Collabs unterstützt – das ist die flächendeckendste Unterstützung vor Ort. Bei der SPD war der Landesverband bei knapp zwei Dritteln der Kandidierenden dabei, und die Jusos haben fast die Hälfte mitgenommen, allein die Jusos Magdeburg mit 42 Collabs. Bei der CDU hat vor allem die Landtagsfraktion unterstützt, allerdings fast nur die eigenen Abgeordneten: Von 19 Kandidierenden, die mit der Fraktion zusammengearbeitet haben, saßen 13 bereits im Landtag. Und bei der FDP hat fast die Hälfte der Kandidierenden mit Account keinen einzigen Collab mit irgendeiner Parteiebene veröffentlicht.

Linke und Grüne tragen über die Kreisverbände, die FDP lässt viele allein.

Welche Ebene der eigenen Partei hat die Kandidat:innen per Collab mitgenommen? Die Parteien setzen dabei auf völlig unterschiedliche Strukturen.

Anteil der Kandidat:innen mit Account, die mindestens einen Collab mit dieser Ebene hatten0 → 100 %
Kreis-/OrtsverbandLandes-parteiLandtags-fraktionJugend-organisationKommunal-fraktionBundes-parteiandereBundesländermindestenseine EbeneLinke39 mit Account92 %44 %15 %8 %3 %3 %10 %97 %Grüne32 mit Account91 %22 %9 %25 %12 %3 %31 %94 %SPD38 mit Account45 %63 %11 %47 %8 %8 %11 %87 %CDU37 mit Account43 %5 %51 %8 %5 %3 %8 %78 %AfD24 mit Account42 %25 %21 %21 %17 %8 %0 %71 %FDP20 mit Account40 %5 %20 %5 %5 %5 %10 %55 %BSW7 mit Account*14 %29 %0 %29 %0 %29 %43 %43 %

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
Parteimit AccountKreis-/OrtsverbandLandes-parteiLandtags-fraktionJugend-organisationKommunal-fraktionBundes-parteiandereBundesländermindestenseine Ebene
Linke3936 (92 %)17 (44 %)6 (15 %)3 (8 %)1 (3 %)1 (3 %)4 (10 %)38 (97 %)
Grüne3229 (91 %)7 (22 %)3 (9 %)8 (25 %)4 (12 %)1 (3 %)10 (31 %)30 (94 %)
SPD3817 (45 %)24 (63 %)4 (11 %)18 (47 %)3 (8 %)3 (8 %)4 (11 %)33 (87 %)
CDU3716 (43 %)2 (5 %)19 (51 %)3 (8 %)2 (5 %)1 (3 %)3 (8 %)29 (78 %)
AfD2410 (42 %)6 (25 %)5 (21 %)5 (21 %)4 (17 %)2 (8 %)0 (0 %)17 (71 %)
FDP208 (40 %)1 (5 %)4 (20 %)1 (5 %)1 (5 %)1 (5 %)2 (10 %)11 (55 %)
BSW71 (14 %)2 (29 %)0 (0 %)2 (29 %)0 (0 %)2 (29 %)3 (43 %)3 (43 %)

Daten: Instagram (öffentlich, 01.06.–06.09.2026) · Collabs = gemeinsame Posts mit Partei-Accounts · *BSW: nur 7 Accounts, wenig belastbar

Was heißt das für dich?

Gerade neue Kandidierende ohne Mandat und ohne große Community brauchen die Reichweite ihrer Partei am meisten – und bekommen sie je nach Partei am wenigsten. Wenn du kandidierst, lohnt es sich, Kreisverband, Jugendorganisation und Fraktion frühzeitig und ganz konkret als Verstärker einzuplanen, statt darauf zu warten, dass sie von selbst auf dich zukommen.

Klein, aber gehört

Die großen Zahlen verdecken leicht, dass Wirkung nicht nur eine Frage der Followerzahl ist. Mehrere kleine Accounts haben mit ihren Reels regelmäßig ein Vielfaches ihrer eigenen Community erreicht. Thomas Weise (CDU) kam mit 545 Followern im Mittel auf mehr als das Sechsfache seiner Followerzahl pro Reel, Nico Elsner und Jonas Döhring (beide CDU) auf mehr als das Vierfache. Zum Vergleich: Ulrich Siegmund erreichte trotz 52 Millionen Aufrufen im Mittel weniger als die Hälfte seiner Followerzahl pro Reel.

Kleine Accounts erreichen oft ein Vielfaches ihrer Follower.

Die Resonanz sind die mittleren Aufrufe pro Reel, geteilt durch die Followerzahl. Gezeigt werden die Top 10 aller Kandidat:innen mit mindestens 5 Reels und 100 Followern.

1× = so viele Aufrufe wie FollowerThomas WeiseCDU · 545 Follower6,6×Maximilian PhilippFDP · 111 Follower6,1×Rafael RotermundLinke · 323 Follower6,0×Nico ElsnerCDU · 1.510 Follower4,7×Jonas DöhringCDU · 422 Follower4,5×Jan ScharfenortAfD · 127 Follower4,2×Eric BöllstorfSPD · 285 Follower4,2×Noah Elias BiswangerLinke · 1.188 Follower4,2×Thorben Nick RehakSPD · 690 Follower4,2×Antonia KaloffLinke · 2.649 Follower4,1×Ulrich SiegmundAfD · 738.399 Follower0,5×zum Vergleich: 52 Mio. Aufrufe, aber pro Reel weniger als die Hälfte seiner Follower

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
NameParteiWahlkreisResonanzMedian-AufrufeFollowerReels
Thomas WeiseCDUStendal6,623.60954525
Maximilian PhilippFDPSaalekreis6,086751115
Rafael RotermundLinkeBurg6,041.9513235
Nico ElsnerCDUWittenberg4,717.1071.5105
Jonas DöhringCDUZerbst4,471.88542212
Jan ScharfenortAfDBurg4,245381277
Eric BöllstorfSPDHavelberg-Osterburg4,201.1962857
Noah Elias BiswangerLinkeMagdeburg I4,204.9851.1888
Thorben Nick RehakSPDOschersleben-Wanzleben4,172.8776905
Antonia KaloffLinkeBitterfeld-Wolfen4,1010.8662.6496
Ulrich SiegmundAfDGenthin0,45334.414738.399111

Daten: Instagram (öffentlich, 01.06.–06.09.2026) · Median, damit einzelne virale Reels nicht verzerren

Was heißt das für dich?

Eine kleine Followerzahl ist kein Grund, auf Instagram gar nicht erst anzufangen. Entscheidend ist, ob deine Inhalte über die eigene Community hinaus ausgespielt werden – und das schaffen oft gerade die Accounts, die lokal, persönlich und nahbar kommunizieren.

Zehn Profile, die aufgefallen sind

Diese zehn Profile sind im Wahlkampf besonders aufgefallen – durch ihre Reichweite, ihren Wahlerfolg oder dadurch, dass sie mit kleinen Accounts ein Vielfaches ihrer Follower erreicht haben. Schau sie dir gern selbst an und mach dir dein eigenes Bild.

Ulrich Siegmund

AfD · Genthin · @ulrich_siegmund

Susan Sziborra-Seidlitz

Grüne · Quedlinburg · @sziborraseidlitz

Sven Schulze

CDU · Magdeburg III · @sven.schulze.cdu

Felix Giesa

SPD · Köthen · @felixgiesa

Julius Neumann

SPD · Halle IV · @juliusneumann.de

Skady Herkenrath

SPD · Gardelegen-Klötze · @skady.herkenrath

Jannik-Loris Balint

Die Linke · Halle III · @jannikbalint

Gitta Hartenstein-Wiermann

Die Linke · Halle II · @gitta.dielinke

Mustafa Groener

Die Linke · Magdeburg II · @mustafagroener

Thomas Weise

CDU · Stendal · @thomas_weise_stendal

Handlungsempfehlungen

Aus einer einzelnen Landtagswahl lassen sich keine Naturgesetze ableiten, aber ein paar Dinge zeigen sich in den Zahlen so deutlich, dass ich sie jeder Kandidatin und jedem Kandidaten mitgeben würde.

Plane in der heißen Wahlkampfphase mindestens drei Beiträge pro Woche ein und setze dabei vor allem auf Reels, weil vor allem sie dir überhaupt über deine eigene Community hinaus Reichweite bringen.

Nutze Collabs gezielt, aber nie als vollständigen Ersatz für eigene Inhalte. Die Aufrufe eines Collabs „gehören“ letztendlich dem Account, der ihn veröffentlicht – eine eigene Community baust du daraus in der Regel nicht auf.

Denke die Lagerfrage mit. Wenn in deinem Wahlkreis taktisch gewählt wird, musst du als die Person sichtbar werden, bei der eine geliehene Stimme gut aufgehoben ist. Social Media ist dafür nur ein einzelner Baustein, der in der passenden Situation aber einen Unterschied machen kann.

Fordere die Unterstützung deiner Partei aktiv ein. Kreisverband, Jugendorganisation und Fraktion sind die naheliegendsten Verstärker – gerade dann, wenn du neu antrittst. Genauso sind die Funktionsträger:innen gefragt, ihre Kandidierenden ausreichend zu unterstützen.

Schau nicht allein auf die Followerzahl, sondern auf die Aufrufe im Verhältnis zu deinen Followern. Diese Zahl verrät dir viel früher, ob deine Inhalte funktionieren.

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Methodik und Grenzen

Grundlage sind die öffentlich zugänglichen Instagram-Daten aller 307 Direktkandidierenden, erhoben am 13. und 14. September 2026, sowie die amtlichen Wahlergebnisse und das Bewerberverzeichnis der Landeswahlleitung. Berücksichtigt wurden Beiträge vom 1. Juni 2026 bis zum Schließen der Wahllokale am 6. September 2026 um 18 Uhr, angepinnte Beiträge wurden nicht mitgezählt.

Als Eigenleistung zählen nur Beiträge, die eine Person selbst veröffentlicht hat. Collabs werden getrennt ausgewiesen und ihre Aufrufe nicht der Person zugerechnet. Aufrufe sind öffentlich nur für Reels verfügbar, bei Bildern und Grafiken gibt es lediglich Likes und Kommentare, und Likes sind teilweise ausgeblendet.

Bei 68 Kandidierenden ließ sich kein Account finden, 29 Accounts waren privat oder ohne Beiträge im Zeitraum. Ob jemand gar keinen Account hat oder er nur nicht auffindbar war, lässt sich nicht immer unterscheiden. Die Followerzahlen geben den Stand nach der Wahl wieder, ein Wachstum während des Wahlkampfs konnte rückwirkend nicht erhoben werden. Einzelne Profile können vereinzelt Beiträge aus Anfang Juni verpassen.

Die Analyse betrachtet ausschließlich Instagram. TikTok, Facebook und andere Kanäle sind nicht enthalten. Erwähnungen von Kandidierenden in fremden Beiträgen ohne Collab wurden nur stichprobenhaft erfasst, die Einordnung der Collab-Partner erfolgte anhand der Accounts. Und wie bei jeder Auswertung dieser Art gilt: Ein Zusammenhang ist noch keine Ursache.

Titelbild: Landtag von Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Foto: Olaf Kosinsky, Lizenz CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons.

Autor: Pascal Schejnoha

Ich helfe mit betterpolitics politisch Aktiven dabei, professioneller zu kommunizieren. Bevor ich mich selbständig gemacht habe, war ich mehrere Jahre Büroleiter und Pressesprecher im Landtag von Baden-Württemberg. In meiner Masterarbeit habe ich die kandidatenbezogene Social-Media-Kommunikation zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 empirisch untersucht.

Mit den betterpolitics Analysen werte ich politische Kommunikation auf Social Media datenbasiert aus – kostenlos und parteiübergreifend.

Wenn du möchtest, dass dein eigener Wahlkampf heraussticht, melde dich gern bei mir.

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