Analyse: Wie hätte Instagram die Wahl in Berlin entschieden?

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt habe ich mir im September angeschaut, wie die Direktkandidierenden dort Instagram genutzt haben. Zwei Wochen später hat Berlin gewählt – und damit ein Land, das politisch, strukturell und medial ziemlich genau das Gegenteil eines Flächenlands ist. Für diese Analyse habe ich deshalb dieselben Fragen noch einmal gestellt, mit derselben Methode und demselben Zeitraum von 14 Wochen.

Angeschaut habe ich alle 670 Direktkandidierenden in den 78 Berliner Wahlkreisen, über alle Parteien hinweg. Ausgewertet habe ich jeden eigenen Instagram-Post zwischen dem 14. Juni und dem Schließen der Wahllokale am 20. September, dazu die Collabs mit anderen Accounts und die Wahlergebnisse aus den Wahlkreisen. Wahlsiegerin ist die Linke mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen und 28 von 78 Direktmandaten.

Drei Fragen standen dabei im Mittelpunkt. Wie wäre die Wahl ausgegangen, wenn Instagram entschieden hätte? Wie intensiv haben die Kandidierenden Social Media überhaupt genutzt? Und hat sich dieser Einsatz im eigenen Ergebnis bemerkbar gemacht? Dazu kommt ein kurzer Blick auf Ost und West und auf das, was Berlin von Sachsen-Anhalt unterscheidet.

Inhaltsverzeichnis

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

Hätten die Follower über die Direktmandate entschieden, hätte in 56 der 78 Wahlkreise jemand anderes gewonnen – und die Linke hätte 23 ihrer 28 Wahlkreise verloren.

Ein Parlament nach Followern wäre vor allem ein Parlament der Amtsinhabenden: Rechnet man eine einzige Abgeordnete heraus, verschieben sich 18 von 129 Sitzen.

Innerhalb der eigenen Partei hängt mehr Aktivität auf Social Media leicht positiv mit dem persönlichen Ergebnis zusammen – bei den Grünen deutlich, bei der Linken gar nicht.

Zwischen Ost und West gibt es Tendenzen, aber keinen gesicherten Unterschied. Auffällig ist trotzdem: Im Osten hat keiner der zehn reichweitenstärksten Kandidierenden seinen Wahlkreis gewonnen.

670

Direktkandidierende in 78 Wahlkreisen, über alle Parteien hinweg ausgewertet

423

davon mit beobachtbarem Instagram-Account

9.924

eigene Posts in den 14 Wochen vor der Wahl

50,9 Mio.

Aufrufe mit eigenen Reels

56 von 78

Wahlkreisen mit anderem Gewinner, wenn die Follower entschieden hätten

75,7 %

aller Reel-Aufrufe entfielen auf die 25 reichweitenstärksten Kandidierenden

Gut die Hälfte ist aktiv, fast jede:r Fünfte fährt nur mit

Wie schon in Sachsen-Anhalt habe ich alle Kandidierenden anhand ihrer eigenen Posts und ihrer Collabs einem Typ zugeordnet. Selbstmacher:innen haben in den 14 Wochen mindestens zehn eigene Posts veröffentlicht und ihre Präsenz überwiegend selbst getragen – weniger als die Hälfte ihrer Beiträge waren Collabs. Netzwerker:innen haben ebenfalls mindestens zehn eigene Posts veröffentlicht, waren aber mindestens genauso oft in Collabs zu sehen. Beifahrer:innen kamen auf weniger als zehn eigene Posts, waren aber in mindestens fünf Collabs zu sehen und damit vor allem über Beiträge anderer Accounts sichtbar. Und Unsichtbare hatten weniger als zehn eigene Posts und weniger als fünf Collabs – sie haben im Wahlkampf so gut wie nichts veröffentlicht.

Von den 423 Kandidierenden mit beobachtbarem Account waren 203 Selbstmacher:innen und 37 Netzwerker:innen. Gut die Hälfte hat also regelmäßig selbst gepostet, im Schnitt fast einmal pro Woche. 76 Kandidierende waren Beifahrer:innen, also fast jede:r Fünfte, und 107 waren auf Instagram im Wahlkampf praktisch nicht sichtbar.

Gut die Hälfte ist belegbar aktiv, fast jede:r Fünfte fährt nur mit.

Von 423 beobachteten Kandidierenden sind 48,0 % Selbstmacher:innen und 18,0 % Beifahrer:innen. Als aktiv gilt, wer mindestens 10 eigene Posts veröffentlicht hat, also rund einen pro Woche.

Selbstmacher
mindestens 10 eigene Posts, überwiegend selbst
Netzwerker
mindestens 10 eigene Posts, mindestens die Hälfte Collabs
Beifahrer
weniger als 10 eigene Posts, aber mindestens 5 Collabs
Unsichtbar
weniger als 10 eigene Posts und weniger als 5 Collabs
Beobachtete KandidierendeBalken = alle Beobachteten der Partei (100 %)Nicht beobachtetAnteil an allen der Partei0 %25 %50 %75 %100 %Alle Parteienn = 423203377610757 % aktiv37 % (247 von 670)SPDn = 75557979 % aktiv4 % (3 von 78)CDUn = 744210111170 % aktiv5 % (4 von 78)Grünen = 70357181060 % aktiv10 % (8 von 78)BSWn = 17722653 % aktiv78 % (60 von 77)AfDn = 39135101146 % aktiv50 % (39 von 78)Linken = 6125211246 % aktiv22 % (17 von 78)FDPn = 309451243 % aktiv57 % (39 von 69)Voltn = 32922134 % aktiv59 % (46 von 78)Sonstigen = 25821532 % aktiv55 % (31 von 56)

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
ParteiSelbstmacherNetzwerkerBeifahrerUnsichtbarbeobachtetnicht beobachtetalle
Alle Parteien2033776107423247670
SPD5547975378
CDU4210111174478
Grüne357181070878
BSW7226176077
AfD1351011393978
Linke2532112611778
FDP94512303969
Volt92021324678
Sonstige80215253156

Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Typen nur für beobachtete Accounts (Status ok oder keine Posts im Zeitraum); Beobachtungsgrad hängt an der Recherche

Zwischen den Parteien sind die Unterschiede groß. Die Kandidierenden der SPD haben im Median 24 eigene Posts veröffentlicht, die der CDU 21 und die der Grünen 14,5. Beim BSW waren es 12, bei Linken, AfD und FDP nur 7 und bei Volt 3,5. Dabei muss man allerdings fair bleiben: Für 247 der 670 Kandidierenden ließ sich kein öffentlicher, auswertbarer Account finden. Wie oft das so ist, hängt auch davon ab, wie offen eine Partei die Accounts ihrer Leute veröffentlicht – bei CDU, SPD und Grünen konnte ich rund 90 Prozent oder mehr beobachten, bei der AfD genau die Hälfte und bei FDP und Volt nicht einmal das.

Was heißt das für dich?

Etwa ein Post pro Woche ist die Mindestgrenze, ab der ich im Wahlkampf überhaupt von einem Social-Media-Auftritt spreche. Wer diese Grenze nicht schafft, wird meistens nur noch über die Accounts anderer sichtbar – und dann bestimmen andere, wann und wie du auftauchst.

56 von 78 Wahlkreisen hätten anders gewählt

Am Wahlabend war die Berliner Karte zweigeteilt: Die Linke holte 28 Wahlkreise, vor allem in der Innenstadt, die CDU 26, vor allem in den westlichen Außenbezirken, die AfD 13, vor allem im östlichen Stadtrand, die Grünen 10 und die SPD einen einzigen. Legt man stattdessen die Follower der Kandidierenden zugrunde, sieht dieselbe Karte völlig anders aus.

Hätten die Follower entschieden, hätte in 56 der 78 Wahlkreise jemand anderes gewonnen. Stärkste Kräfte wären dann Grüne und CDU mit jeweils 18 Wahlkreisen, gefolgt von der SPD mit 16. Die AfD käme auf 10, die Linke nur noch auf 7 – sie hätte damit 23 ihrer 28 Wahlkreise verloren. Zählt man statt der Follower die Aufrufe der eigenen Reels, wechselt der Gewinner sogar in 61 Wahlkreisen.

Nach Followern hätte in 56 von 78 Wahlkreisen jemand anderes gewonnen.

Real gewannen Linke 28, CDU 26, AfD 13, Grüne 10 und SPD 1 Wahlkreise. Nach Followern lägen CDU und Grüne mit je 18 vorn, nach Reel-Aufrufen wechselt der Sieg in 61 Wahlkreisen.

Wahlergebnis
Sieger:in nach Erststimmen
Linke28
CDU26
AfD13
Grüne10
SPD1
Nach Followern
meiste Follower im Wahlkreis · 56 Wechsel
Grüne18
CDU18
SPD16
AfD10
Linke7
FDP4
BSW3
Sonstige2
Sonstige: Einzelbewerber, MERA25
Nach Reel-Aufrufen
meiste Aufrufe eigener Reels · 61 Wechsel
SPD21
Grüne17
CDU14
Linke8
AfD8
BSW4
FDP2
Sonstige4
Sonstige: MERA25, Tierschutzpartei, Volt

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
WKWahlkreisRealNach FollowernNach Reel-Aufrufen
101Mitte 1Silke Gebel (Grüne)Silke Gebel (Grüne)Stanislav Klimovich (SPD)
102Mitte 2Leonard Diederich (Linke)Sevim Dağdelen (BSW)Sevim Dağdelen (BSW)
103Mitte 3Jian Omar (Grüne)Jian Omar (Grüne)Tobias Schulze (Linke)
104Mitte 4Taylan Kurt (Grüne)Taylan Kurt (Grüne)Taylan Kurt (Grüne)
105Mitte 5Andreas Umgelter (Linke)Julian Adrat (AfD)Julian Adrat (AfD)
106Mitte 6Martha Kleedörfer (Linke)Tuba Bozkurt (Grüne)Martha Kleedörfer (Linke)
107Mitte 7Deike Janssen (Linke)Maja Lasić (SPD)Tarek Massalme (Grüne)
201Friedrichshain-Kreuzberg 1Elif Eralp (Linke)Elif Eralp (Linke)Elif Eralp (Linke)
202Friedrichshain-Kreuzberg 2Michael Efler (Linke)Johannes Fehr (MERA25)Johannes Fehr (MERA25)
203Friedrichshain-Kreuzberg 3Kerstin Wolter-Ehling (Linke)Enad Altaweel (Grüne)Enad Altaweel (Grüne)
204Friedrichshain-Kreuzberg 4Damiano Valgolio (Linke)Jan Mihm (Einzelbewerber)Faruh Tursunov (BSW)
205Friedrichshain-Kreuzberg 5Ekkehard Spiegel (Linke)Vasili Franco (Grüne)Vasili Franco (Grüne)
301Pankow 1Johannes Kraft (CDU)Bettina Jarasch (Grüne)Bettina Jarasch (Grüne)
302Pankow 2Lars Bocian (CDU)Lars Bocian (CDU)Lars Bocian (CDU)
303Pankow 3Christian Zebisch (Linke)Oda Hassepaß (Grüne)Oda Hassepaß (Grüne)
304Pankow 4Herbert Mohr (AfD)Dirk Stettner (CDU)Dirk Stettner (CDU)
305Pankow 5Enja Springob (Linke)Louis Krüger (Grüne)Arne Gröschel (SPD)
306Pankow 6Maria Bigos (Linke)Linda Vierecke (SPD)Linda Vierecke (SPD)
307Pankow 7Niklas Schrader (Linke)Can Aru (Grüne)Theresa Schültken (Volt)
308Pankow 8Daniela Billig (Grüne)Gloria Viagra (Linke)Gloria Viagra (Linke)
309Pankow 9Maximilian Schirmer (Linke)Maximilian Schirmer (Linke)Paul-Johann von Loeper (Volt)
401Charlottenburg-Wilmersdorf 1Niklas Schenker (Linke)Niklas Schenker (Linke)Vivien-Nathalie Keilbar (CDU)
402Charlottenburg-Wilmersdorf 2Ariturel Hack (CDU)Hugh Bronson (AfD)Corinna Balkow (Grüne)
403Charlottenburg-Wilmersdorf 3Petra Vandrey (Grüne)Martin Kohler (AfD)Martin Kohler (AfD)
404Charlottenburg-Wilmersdorf 4Aldona Niemczyk (CDU)Aldona Niemczyk (CDU)Thuy Dung Nguyen (BSW)
405Charlottenburg-Wilmersdorf 5Sandra Khalatbari (CDU)Christoph Meyer (FDP)Sandra Khalatbari (CDU)
406Charlottenburg-Wilmersdorf 6Jakob Zimmer (Grüne)Jakob Zimmer (Grüne)Jakob Zimmer (Grüne)
407Charlottenburg-Wilmersdorf 7Felor Badenberg (CDU)Isabel Blecher (Grüne)Isabel Blecher (Grüne)
501Spandau 1Tommy Tabor (AfD)Sebahat Atli (SPD)Sebahat Atli (SPD)
502Spandau 2Andreas Otti (AfD)Maurice Lange (Grüne)Raed Saleh (SPD)
503Spandau 3Thomas Wulfes (Linke)Gollaleh Ahmadi (Grüne)Gollaleh Ahmadi (Grüne)
504Spandau 4Heiko Melzer (CDU)Leif Sporleder (Grüne)Marco Rumza (SPD)
505Spandau 5Kai Wegner (CDU)Kai Wegner (CDU)Kai Wegner (CDU)
601Steglitz-Zehlendorf 1Tonka Wojahn (Grüne)Kristin Brinker (AfD)Kristin Brinker (AfD)
602Steglitz-Zehlendorf 2Tom Cywinski (CDU)Steffen Krach (SPD)Steffen Krach (SPD)
603Steglitz-Zehlendorf 3Jens Hoffmann (CDU)Jens Hoffmann (CDU)Dennis Egginger-Gonzalez (Linke)
604Steglitz-Zehlendorf 4Cornelia Seibeld (CDU)Cornelia Seibeld (CDU)Carolyn Macmillan (SPD)
605Steglitz-Zehlendorf 5Marco Hahnfeld (CDU)Karoline Preisler (FDP)Karoline Preisler (FDP)
606Steglitz-Zehlendorf 6Christoph Wegener (CDU)Tobias Bauschke (FDP)Christoph Wegener (CDU)
607Steglitz-Zehlendorf 7Stephan Standfuß (CDU)Stephan Standfuß (CDU)Stephan Standfuß (CDU)
701Tempelhof-Schöneberg 1Sebastian Walter (Grüne)Christoph Schröter (AfD)Christoph Schröter (AfD)
702Tempelhof-Schöneberg 2Martina Zander-Rade (Grüne)Michael Biel (SPD)Martina Zander-Rade (Grüne)
703Tempelhof-Schöneberg 3Christoph Störmer (Grüne)Orkan Özdemir (SPD)Orkan Özdemir (SPD)
704Tempelhof-Schöneberg 4Sarah Bremer (Linke)Melanie Kühnemann-Grunow (SPD)Aferdita Suka (Grüne)
705Tempelhof-Schöneberg 5Roman Simon (CDU)Frank-Christian Hansel (AfD)Frank-Christian Hansel (AfD)
706Tempelhof-Schöneberg 6Scott Körber (CDU)Oliver Schworck (SPD)Scott Körber (CDU)
707Tempelhof-Schöneberg 7Christian Zander (CDU)Christian Zander (CDU)Katharina Hild (Grüne)
801Neukölln 1Vanessa Emde (Linke)Vanessa Emde (Linke)Vanessa Emde (Linke)
802Neukölln 2Philipp-Martin Dehne (Linke)Michael Lüders (BSW)Michael Lüders (BSW)
803Neukölln 3Rouzbeh Taheri (Linke)Derya Çağlar (SPD)Derya Çağlar (SPD)
804Neukölln 4Christopher Förster (CDU)Marcel Hopp (SPD)Marcel Hopp (SPD)
805Neukölln 5Robbin Juhnke (CDU)Emmi Stiegler (Linke)Joachim Rahmann (SPD)
806Neukölln 6Olaf Schenk (CDU)Franziska Giffey (SPD)Franziska Giffey (SPD)
901Treptow-Köpenick 1Moritz Warnke (Linke)Noah Häbel (AfD)Noah Häbel (AfD)
902Treptow-Köpenick 2Lisa Pfitzmann (Linke)Paul Bahlmann (SPD)Paul Bahlmann (SPD)
903Treptow-Köpenick 3Lars Düsterhöft (SPD)Lars Düsterhöft (SPD)Lars Düsterhöft (SPD)
904Treptow-Köpenick 4Alexander Bertram (AfD)Stefan Evers (CDU)Stefan Evers (CDU)
905Treptow-Köpenick 5Denis Henkel (AfD)Lisa Knack (CDU)Lisa Knack (CDU)
906Treptow-Köpenick 6Martin Trefzer (AfD)Alina-Viviane Lindemann (BSW)Sara Rüdiger (SPD)
907Treptow-Köpenick 7Hans Kromrey (Linke)Dunja Wolff (SPD)Dunja Wolff (SPD)
1001Marzahn-Hellersdorf 1Gunnar Lindemann (AfD)Gunnar Lindemann (AfD)Niclas Rother (Grüne)
1002Marzahn-Hellersdorf 2Anneliese Dummer (AfD)Bernd Siggelkow (CDU)Benjamin Klettbach (Grüne)
1003Marzahn-Hellersdorf 3Jeannette Auricht (AfD)Jeannette Auricht (AfD)Robin Enderlein (CDU)
1004Marzahn-Hellersdorf 4Martin Koblischke (AfD)Pascal Grothe (Grüne)Pascal Grothe (Grüne)
1005Marzahn-Hellersdorf 5Katharina Günther-Wünsch (CDU)Katharina Günther-Wünsch (CDU)Luise Lehmann (SPD)
1006Marzahn-Hellersdorf 6Jörn Geißler (AfD)Alexander Herrmann (CDU)Jan Lehmann (SPD)
1101Lichtenberg 1Stephan Knaute (AfD)Danny Freymark (CDU)Danny Freymark (CDU)
1102Lichtenberg 2Martin Pätzold (CDU)Stefan Schenck (SPD)Stefan Schenck (SPD)
1103Lichtenberg 3Claudia Engelmann (Linke)Claudia Engelmann (Linke)Claudia Engelmann (Linke)
1104Lichtenberg 4Antonio Leonhardt (Linke)Batuhan Temiz (FDP)Batuhan Temiz (FDP)
1105Lichtenberg 5Hendrikje Klein (Linke)Sarah Ribbeck (CDU)Sarah Ribbeck (CDU)
1106Lichtenberg 6Julia Behrens (Linke)Daniela Ehlers (Grüne)Julia Behrens (Linke)
1201Reinickendorf 1Pilar Caballero Alvarez (Linke)Burkard Dregger (CDU)Jelisaweta Kamm (Grüne)
1202Reinickendorf 2Felix Schönebeck (CDU)Felix Schönebeck (CDU)Felix Schönebeck (CDU)
1203Reinickendorf 3Niklas Graßelt (CDU)Niklas Graßelt (CDU)Samuel Märkt (SPD)
1204Reinickendorf 4Tomasz Klon (CDU)Rolf Wiedenhaupt (AfD)Rolf Wiedenhaupt (AfD)
1205Reinickendorf 5Carsten Ubbelohde (AfD)Sevda Boyraci (SPD)Carsten Ubbelohde (AfD)
1206Reinickendorf 6Richard Gamp (CDU)Klara Josephine Schedlich (Grüne)Leonhard Rettinghaus (Tierschutzpartei)

Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Kandidierende ohne Account oder Daten zählen im Szenario als 0

Nur in 22 Wahlkreisen lag die Person, die tatsächlich gewonnen hat, auch bei den Followern vorn. Wie weit beides auseinanderliegen kann, zeigt Friedrichshain-Kreuzberg 4: Dort hätte nach Followern ein Einzelbewerber gewonnen, der am Wahltag auf 0,7 Prozent der Erststimmen kam.

Was heißt das für dich?

Follower sind kein Stimmzettel. Im Wahlkreis entscheidet meistens, wie stark deine Partei vor Ort ist, und nicht, wie groß dein Account ist. Social Media lohnt sich trotzdem – aber als Werkzeug für Bekanntheit und Mobilisierung, nicht als Hoffnung auf das Direktmandat.

Ein Parlament der Amtsinhabenden

Noch deutlicher wird das Bild, wenn man nicht nur die Wahlkreise, sondern gleich das ganze Abgeordnetenhaus nach Followern verteilt. Dafür habe ich die Follower aller Direktkandidierenden je Partei zusammengezählt und die Sitze nach demselben Verfahren verteilt wie bei der echten Wahl: nach Hare/Niemeyer, mit Fünf-Prozent-Hürde und der Berliner Besonderheit, dass auch ein einzelner Wahlkreissieg für den Einzug reicht.

Das Ergebnis: Die SPD käme auf 34 Sitze und wäre stärkste Kraft, knapp vor der Linken mit 33. Dahinter folgen Grüne mit 19, CDU mit 15, FDP mit 11, BSW mit 9 und AfD mit 7 Sitzen. Die AfD schafft die Hürde mit 5,2 Prozent der Follower nur knapp – mit rund 2.600 Followern Vorsprung. Zum Vergleich: Im echten Abgeordnetenhaus hat die Linke nach dem amtlichen Endergebnis 45 Sitze, die CDU 33, die AfD 29, die Grünen 25 und die SPD 21.

Das Follower-Parlament ist ein Amtsbonus-Parlament: Ein Account verschiebt 18 von 129 Sitzen.

Die Sitze sind nach dem Berliner Verfahren verteilt, aber mit Follower-Summen statt Zweitstimmen. Ringe markieren Fraktionen, die nur über die Grundmandatsklausel einziehen.

Abgeordnetenhaus real
amtliches Endergebnis, 153 Sitze inkl. Überhang und Ausgleich
153Sitze
Linke45 25,7 % der Zweitstimmen
CDU33 18,8 % der Zweitstimmen
AfD29 16,3 % der Zweitstimmen
Grüne25 14,3 % der Zweitstimmen
SPD21 12,1 % der Zweitstimmen
Keine Sitze: BSW 4,7 %, FDP 2,5 %, Volt 2,1 % (unter 5 %)
Abgeordnetenhaus nach Followern
Follower-Summe je Partei, 129 Sitze verteilt, 1 Wahlkreissitz Mihm
+ 1 Wahlkreissitz Mihm129Sitze
SPD34 26,0 % der Follower
Linke33 24,9 % der Follower
Grüne19 14,3 % der Follower
CDU15 11,5 % der Follower
FDP11 8,9 % der Follower
BSW9 6,8 % der Follower
AfD7 5,2 % der Follower
Sonst.1MERA25, nur über Grundmandat
Mihm1Einzelbewerber, Sitz wird abgezogen
Zwei Varianten, gleiche Rechnung
Ohne Elif Eralp
ein Account weniger
SPD 40 · Grüne 22 · CDU 18 · Linke 15 · FDP 14 · BSW 11 · AfD 8
Eralps Account hält 60 % der Linke-Follower.
Die Linke halbiert sich von 33 auf 15 Sitze.
Ohne Amtsinhabende
79 Personen weniger
Grüne 25 · FDP 22 · SPD 21 · BSW 17 · Linke 16 · CDU 15 · AfD 8
Amtsinhabende halten 75 % der Linke-Follower
und 68 % der SPD-Follower.

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
ParteiSitze realnach Followernohne Eralpohne Amtsinhabende
CDU33151815
SPD21344021
Grüne25192225
Linke45331516
AfD29788
FDP0111422
BSW091117
Sonstige0115
Mihm (Einzelbewerber)0111

Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Verteilung Hare/Niemeyer, Überhang und Ausgleich nicht modelliert · Follower Stand 02.10.2026

Wer genauer hinschaut, sieht schnell, wem diese Follower gehören. Bei der Linken entfallen drei Viertel aller Follower auf Amtsinhabende, bei der SPD zwei Drittel. Rechnet man eine einzige Abgeordnete heraus, nämlich Elif Eralp mit 187.355 Followern, fällt die Linke von 33 auf 15 Sitze, und insgesamt verschieben sich 18 der 129 Sitze. Und ohne alle Amtsinhabenden wären plötzlich die Grünen stärkste Kraft, dicht gefolgt von FDP und SPD.

Bei der Reichweite der Reels ist die Konzentration noch größer. Die zehn reichweitenstärksten Accounts haben zusammen 58 Prozent aller Aufrufe der eigenen Reels geholt, allein Marcel Hopp (SPD) fast ein Fünftel.

Zehn Accounts holen fast drei Fünftel aller Reel-Aufrufe.

Allein Marcel Hopp kommt auf 19,0 % aller 50,9 Mio. Aufrufe eigener Reels. 4 der zehn reichweitenstärksten Accounts gehören Amtsinhabenden.

Amtsinhabendeohne Amt
0 %10 %20 %30 %40 %Marcel HoppSPD · Amt19,0 %Elif EralpLinke · Amt12,6 %Julian AdratAfD4,6 %Jakob ZimmerGrüne3,8 %Michael LüdersBSW3,5 %Franziska GiffeySPD · Amt3,1 %Kristin BrinkerAfD · Amt3,1 %Corinna BalkowGrüne3,0 %Steffen KrachSPD2,7 %Martha KleedörferLinke2,4 %alle übrigen (413 Beobachtete)zusammen 42,1 %

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
NameParteiAmtsinhabendeAnteil %Aufrufe
Marcel HoppSPDja19,09.668.420
Elif EralpLinkeja12,66.412.053
Julian AdratAfDnein4,62.332.304
Jakob ZimmerGrünenein3,81.954.705
Michael LüdersBSWnein3,51.803.911
Franziska GiffeySPDja3,11.598.069
Kristin BrinkerAfDja3,11.572.040
Corinna BalkowGrünenein3,01.529.517
Steffen KrachSPDnein2,71.397.722
Martha KleedörferLinkenein2,41.206.743
alle übrigen42,121.394.443

Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Aufrufe eigener Reels, Collab-Posts nicht eingerechnet · einmal erhobene Profile eher Untergrenzen

Was heißt das für dich?

Reichweite in der Politik ist zuerst Amtsbonus und Bekanntheit. Wer noch kein Mandat hat, sollte sich deshalb nicht an den Followerzahlen der Amtsinhabenden messen, sondern daran, wie viele Menschen seine Beiträge im Verhältnis zur eigenen Community erreichen – und was das im eigenen Wahlkreis bringt.

Einsatz zahlt sich leicht aus - aber nicht überall

Die naheliegende Frage ist, ob sich der Aufwand im Ergebnis zeigt. Wie in Sachsen-Anhalt reicht es dafür nicht, einfach die Erststimmen zu vergleichen, sonst misst man vor allem, wie stark eine Partei in einem Wahlkreis ohnehin ist. Ich habe deshalb für jede Kandidatur den Kandidateneffekt berechnet: das Erststimmenergebnis der Person abzüglich des Zweitstimmenergebnisses ihrer Partei im selben Wahlkreis.

Anders als in Sachsen-Anhalt gibt es in Berlin einen leichten positiven Zusammenhang. Wer innerhalb seiner Partei mehr gepostet, mehr Reichweite oder mehr Follower hatte, lag im Schnitt etwas häufiger über dem Ergebnis seiner Partei. Der Zusammenhang ist schwach, und ein Teil davon ist Amtsbonus – er bleibt aber auch bestehen, wenn man die Amtsinhabenden herausrechnet. Kandidierende, die im Wahlkampf praktisch unsichtbar waren, lagen im Schnitt knapp einen Prozentpunkt unter ihrer Partei.

Mehr Einsatz geht leicht mit mehr Kandidateneffekt einher, aber je nach Partei sehr verschieden.

Hatten Kandidierende mit mehr Einsatz ein besseres Ergebnis als der Rest ihrer Partei? Über alle Parteien ist der Zusammenhang schwach, bei den Grünen deutlich, bei Linken und BSW nicht erkennbar.

Eigene PostsAnzahl im Wahlkampf−0,5−0,250,0+0,25+0,5Reel-AufrufeAufrufe eigener Reels−0,5−0,250,0+0,25+0,5FollowerStand 02.10.2026−0,5−0,250,0+0,25+0,5Grünen = 700,560,510,46AfDn = 390,350,210,33SPDn = 750,210,290,38Linken = 610,16−0,030,03FDPn = 300,160,210,38CDUn = 740,120,150,26BSWn = 17−0,10−0,19−0,17Voltn = 32−0,14−0,21−0,12Alle Parteiengepoolt innerhalb der Parteien0,210,180,25Alle, ohne AmtsbonusAmtsinhabende herausgerechnet0,160,140,19So liest du das: ρ = Rangkorrelation mit dem Kandidateneffekt (Erststimmen der Person minus Zweitstimmen ihrer Partei im Wahlkreis), innerhalb jeder Partei.Grauer Bereich (−0,3 bis +0,3): kein oder nur schwacher Zusammenhang. Je weiter rechts, desto eher gehören mehr Einsatz und ein besseres persönliches Ergebnis zusammen.
Randnotiz · Grüne
Der stärkste Zusammenhang (ρ 0,56 bei den Posts) bleibt auch nach Abzug der Parteistärke im Wahlkreis bestehen (0,39). Parteistärke und Kandidateneffekt hängen bei den Grünen selbst eng zusammen (ρ 0,73).
Randnotiz · Linke
Bei der Linken ist kein persönlicher Zusammenhang zu erkennen (Reel-Aufrufe ρ −0,03). Wo sie stark ist, entscheidet die Region.

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
Parteiρ Postsρ Reel-Aufrufeρ Followern
Grüne0,560,510,4670
AfD0,350,210,3339
SPD0,210,290,3875
Linke0,16−0,030,0361
FDP0,160,210,3830
CDU0,120,150,2674
BSW−0,10−0,19−0,1717
Volt−0,14−0,21−0,1232
Alle Parteien0,210,180,25398
Alle, ohne Amtsbonus0,160,140,19398

Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · nur beobachtete Accounts · Zusammenhang, keine Wirkung · wenig belastbar: weniger als 10 Kandidierende

Zwischen den Parteien unterscheidet sich das Bild allerdings stark. Bei den Grünen ist der Zusammenhang am deutlichsten: Das reichweitenstärkste Drittel ihrer Kandidierenden lag rund zwei Prozentpunkte über dem, was man aufgrund der Parteistärke vor Ort erwarten würde. Auch bei CDU, SPD, AfD und FDP zeigt sich ein positiver Zusammenhang, er ist aber schwächer und nicht überall statistisch belastbar. Bei der Linken dagegen gar keiner: Ihr reichweitenstärkstes Drittel lag zwar mehr als sieben Prozentpunkte über dem Schnitt der Partei, aber fast ausschließlich, weil es in den Hochburgen angetreten ist. Aus eigener Kraft kam praktisch nichts dazu.

Die Reichweitenstarken liegen vorn, aber meist wegen ihrer Region.

Verglichen wird das reichweitenstärkste Drittel jeder Partei mit allen Beobachteten der Partei. Wie viel kommt aus einer starken Region, wie viel hat die Person selbst geholt?

So liest du das, am Beispiel Linke: Die 20 reichweitenstärksten Linke-Kandidierenden holten im Schnitt 7,3 Pkt. mehr Erststimmen als alle 61 beobachteten der Partei. 7,3 Pkt. davon, weil die Linke in ihren Wahlkreisen ohnehin stärker war; der eigene Beitrag liegt bei −0,1 Pkt. Bei der SPD ist es umgekehrt: kein Rückenwind (0,0), aber +0,8 Pkt. eigener Beitrag.
① Rückenwind WahlkreisPartei dort stärker als im Schnitt−20+2+4+6+8② Eigener BeitragKandidateneffekt über dem Parteischnitt−20+2+4+6+8① + ② VorsprungErststimmen gegenüber dem Parteischnitt−20+2+4+6+8Linke20 von 61, 5 mit Amt+7,3−0,1+7,3Grüne23 von 70, 4 mit Amt+3,1+2,0+5,1CDU25 von 74, 10 mit Amt+2,2+0,6+2,8SPD25 von 75, 9 mit Amt+0,0+0,8+0,8FDP10 von 30+0,6+0,1+0,7BSW6 von 17 · wenig belastbar+0,0+0,0+0,0AfD13 von 39, 5 mit Amt−2,2+0,2−2,0Zum Vergleich: ohne AmtsinhabendeLinke ohne Amt17 von 52 ohne Amt+7,4−0,5+6,9Grüne ohne Amt21 von 64 ohne Amt+2,4+1,4+3,8CDU ohne Amt16 von 48 ohne Amt+3,2+0,5+3,7SPD ohne Amt17 von 51 ohne Amt+0,1+0,9+1,1AfD ohne Amt10 von 29 ohne Amt+1,2−0,1+1,2

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
ParteiKandidierende① Region② Person① + ② gesamt
Linke20+7,32−0,06+7,26
Grüne23+3,07+2,02+5,09
CDU25+2,25+0,59+2,84
SPD25−0,01+0,76+0,75
FDP10+0,61+0,07+0,68
BSW6−0,04+0,00−0,04
AfD13−2,19+0,21−1,98
Linke ohne Amt17+7,40−0,52+6,88
Grüne ohne Amt21+2,42+1,42+3,84
CDU ohne Amt16+3,22+0,50+3,72
SPD ohne Amt17+0,13+0,93+1,06
AfD ohne Amt10+1,23−0,06+1,17

Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Reichweite = Aufrufe eigener Reels · stimmengewichtet · nur beobachtete Accounts · Rundungsdifferenzen möglich

Was heißt das für dich?

Aktiv zu sein, ist keine Garantie für ein besseres Ergebnis, aber unsichtbar zu sein, kostet im Schnitt etwas. Wenn du deinen eigenen Wahlkampf auswerten willst, vergleiche dich deshalb nie mit den Erststimmen anderer Kandidierender, sondern immer mit dem Ergebnis deiner eigenen Partei im selben Wahlkreis.

Ost und West - Tendenzen, aber kein gesicherter Unterschied

Berlin hat nach der Wahl wieder einmal die Frage nach Ost und West aufgeworfen. Für Social Media habe ich mir deshalb angeschaut, ob Reichweite in den Wahlkreisen im Osten anders mit dem Ergebnis zusammenhängt als im Westen. Vorweg das Wichtigste: Ein Unterschied lässt sich statistisch nicht sicher feststellen. Was die Daten zeigen, sind höchstens Tendenzen.

Im Osten hängt die Reichweite der eigenen Reels innerhalb der Parteien etwas deutlicher mit dem persönlichen Ergebnis zusammen als im Westen. Im Westen wird der Zusammenhang dagegen fast unsichtbar, sobald man die Amtsinhabenden herausrechnet. Der Unterschied zwischen beiden ist aber zu klein, um ihn als echten Effekt zu werten.

Im Osten gewinnt keiner der zehn reichweitenstärksten Accounts.

Reichweite hängt im Osten etwas enger mit dem Ergebnis zusammen, statistisch gesichert ist das nicht. Im Westen haben drei der zehn reichweitenstärksten Accounts ihren Wahlkreis gewonnen.

① Reel-Aufrufe und Kandidateneffekt, innerhalb der Parteien−0,10,0+0,1+0,2+0,3+0,4+0,5alle BeobachtetenOst n = 165, West n = 230Ost 0,23West 0,12p = 0,27ohne AmtsinhabendeOst n = 137, West n = 184Ost 0,22West 0,05p = 0,13Statistisch nicht gesichert: In beiden Zeilen ist der Unterschied zwischen Ost und West nicht signifikant (p > 0,05).② Die zehn reichweitenstärksten Accounts je Seite: Wer hat den Wahlkreis gewonnen?Ost0 von 10gewonnenTursunovHäbelFrancoEversGrotheJaraschTemizDağdelenRotherViereckeWest3 von 10gewonnenHopp✓EralpAdrat✓ZimmerLüdersGiffeyBrinkerBalkowKrach✓KleedörferFarbe = Partei · ✓ = Wahlkreis gewonnen③ Wer gewann die Wahlkreise? Typ der Gewinner:innenOstn = 3114310432 % BeifahrerWestn = 452855711 % BeifahrerSelbstmacherNetzwerkerBeifahrerUnsichtbar

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
Gruppeρ Aufrufe (in Parteien)ρ ohne AmtTop-10 mit DirektmandatBeifahrer unter Gewinner:innen
Ost0,230,22010
West0,120,0535

Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Ost/West nach Wahlkreis, Mitte 1 und Friedrichshain-Kreuzberg 3 nicht zuordenbar · Tendenzen, statistisch nicht gesichert

Auffällig ist trotzdem eine Konstellation. Von den zehn reichweitenstärksten Kandidierenden im Osten hat keiner seinen Wahlkreis gewonnen, obwohl sechs von ihnen besser abgeschnitten haben als ihre Partei. Im Westen haben drei der zehn gewonnen. Gleichzeitig war im Osten fast jede:r dritte Wahlkreissieger:in eine Beifahrer:in – vor allem bei Linken und AfD, deren Hochburgen die Arbeit gemacht haben. Im Westen war es nur etwa jede:r neunte.

Was heißt das für dich?

Wo eine Partei sehr stark ist, gewinnt sie den Wahlkreis meistens auch ohne den großen Social-Media-Auftritt ihrer Kandidierenden. Wo sie es nicht ist, kann Reichweite das eigene Ergebnis verbessern, ein Direktmandat holt sie aber nur selten allein. Plane Social Media deshalb als Bonus zu deiner Partei, nicht als Ersatz für sie.

Wer hebt wen?

Ein großer Teil der Sichtbarkeit im Wahlkampf läuft über Collabs, also über Beiträge, die gemeinsam mit anderen Accounts veröffentlicht werden. Ich habe mir deshalb alle 4.980 Collab-Posts angeschaut und die Partner danach eingeordnet, wer sie sind. Das Ergebnis: Gut die Hälfte kam aus der eigenen Partei, vor allem von Bezirks- und Ortsverbänden, dem Landesverband und der Fraktion. Etwa jeder vierte Collab-Post lief mit einzelnen Personen, also anderen Kandidierenden, bekannten Gesichtern der Partei, Creatorn oder dem eigenen Team. Das parteinahe Vorfeld – Jugendorganisationen, Vereinigungen und Arbeitsgemeinschaften, Verbände und Initiativen – war nur an rund jedem zehnten Collab-Post beteiligt.

Spannend ist, wie unterschiedlich die Parteien dabei aufgestellt sind. Bei der Linken läuft fast alles über die Parteistruktur, allen voran der Landesverband, der 23 Kandidierende mitgenommen hat. Die Jugendorganisation taucht praktisch gar nicht auf. Bei den Grünen tragen dagegen die Bezirksverbände, und nach der AfD hat sich keine Partei so oft gegenseitig unterstützt: Jeder sechste Collab-Post lief zwischen zwei Kandidierenden. Die SPD nutzt ihr Vorfeld am stärksten – bei fast sechs von zehn Kandidierenden mit Collabs waren Jusos, SPD Frauen oder eine Arbeitsgemeinschaft dabei. Bei der CDU liefert der Landesverband den größten Teil der fremden Reichweite, dazu kommen die Junge Union und die LSU. Die AfD setzt auf Fraktion, Bezirksverbände und gegenseitige Collabs ihrer Kandidierenden. Und bei der FDP sind mehr als die Hälfte aller Posts auf den Profilen Collabs, getragen vor allem vom Landesverband.

Parteien heben ihre Kandidierenden sehr unterschiedlich.

Die Balken zeigen, mit wem Kandidierende ihre Collab-Posts veröffentlicht haben, nach Art des Partners. Rechts steht, wie oft sie sich gegenseitig gehoben haben und wie viele von ihnen das Vorfeld genutzt haben.

Partei-Struktur
Landes-, Bezirks- und Ortsverbände, Fraktionen
Vorfeld
Jugend, Vereinigungen, Verbände, Initiativen
Personen
Kandidierende, Prominente, Creator, Team
Amt/Behörden
Senatsverwaltungen und Senatskanzlei
Medien
Redaktionen und Medienaccounts
unklar
nicht einzuordnen
Collab-Posts nach PartnerBalken = alle Collab-Posts der Partei (100 %)GegenseitigAnteil der Collab-Postszwischen zwei KandidierendenBasis: PostsNutzen das VorfeldAnteil der Kandidierenden mitmind. einem Vorfeld-CollabBasis: Personen0 %25 %50 %75 %100 %CDU1.099 Collab-Posts3912251710 %54 %SPD883 Collab-Posts56142210 %58 %Grüne910 Collab-Posts50103517 %57 %Linke791 Collab-Posts6810156 %49 %AfD383 Collab-Posts553218 %12 %FDP534 Collab-Posts591022810 %29 %
So liest du das, am Beispiel Grüne: Von 910 Collab-Posts liefen 50 % mit der eigenen Partei-Struktur und 35 % mit einzelnen Personen. 17 % aller Collab-Posts waren gegenseitig, also zwischen zwei Kandidierenden der Partei. Rechts zählt nicht mehr nach Posts, sondern nach Personen: 57 % der Grünen mit Collabs haben mindestens einmal mit dem Vorfeld gepostet. Im Balken macht das Vorfeld trotzdem nur 10 % der Collab-Posts aus - viele nutzen es, aber jeweils nur selten.

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
ParteiCollab-PostsPartei-StrukturVorfeldPersonenAmt/BehördenMedienunklargegenseitig % (der Posts)nutzen Vorfeld % (der Kandidierenden)
CDU109938,911,625,317,00,66,69,653,8
SPD88355,513,521,71,01,76,610,258,3
Grüne91050,39,634,80,00,44,816,656,7
Linke79168,09,614,90,01,46,16,249,1
AfD38355,42,332,10,06,33,918,011,8
FDP53459,29,922,30,00,97,710,328,6

Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · alle Collab-Posts der beobachteten Kandidierenden, Partner nach Profilname und Handle eingeordnet (teils Einordnung durch die Analyse), Prozentwerte je Partei · nur Kategorien, keine Namen

Wer dabei wirklich Reichweite bringt, sind allerdings meistens nicht die Partei-Accounts. Den größten Teil der Aufrufe liefern einzelne Personen mit großer eigener Community: bekannte Gesichter aus der Bundespartei, Creator oder Medien. Bei der AfD kamen drei Viertel der Partner-Reichweite von prominenten Accounts, bei der FDP und der Linken jeweils mehr als ein Drittel von Creatorn – und das bei nur wenigen gemeinsamen Posts. Am häufigsten tauchen dabei Daniela Sepehri und Pia Schulz bei SPD und Linken auf, Ben Salomo und Guy Katz bei der FDP, dazu das Comedy-Format 82Berlin Stand Up.

Bei den Medien sind es vor allem parteinahe Kanäle, die regelmäßig mitposten. Beim BSW lief ein großer Teil über AKTUALITUM, bei der AfD über blauberlinregional und den Deutschland-Kurier, bei der SPD vereinzelt über den Vorwärts. Klassische Medien wie der Tagesspiegel oder METROPOL FM tauchen dagegen nur vereinzelt auf.

Ein Sonderfall sind Amtsinhabende im Senat. Bei ihnen kommen die Accounts der Senatsverwaltungen und der Senatskanzlei als Partner dazu – insgesamt 196 Collabs. Das ist Amtsreichweite und keine Leistung als Kandidierende, und es wirft die Frage auf, wie stark Behörden-Accounts im Wahlkampf mitspielen sollten.

Und die Beifahrer:innen aus Befund 1? Ihre Sichtbarkeit kommt vor allem von unten, aus den Bezirks- und Ortsverbänden. Im Ergebnis liegen sie im Schnitt nicht besser als ihre Partei.

Was heißt das für dich?

Collabs mit Landesverband, Fraktion und Bezirk sind ein guter und günstiger Weg, um sichtbar zu werden – sie ersetzen aber keine eigenen Beiträge. Wenn du wirklich neue Menschen erreichen willst, brauchst du einzelne Partner mit eigener Community. Und das Vorfeld der eigenen Partei ist bei vielen noch ein ungenutzter Hebel, genauso wie gegenseitige Collabs mit anderen Kandidierenden.

Berlin und Sachsen-Anhalt - was gleich ist, was nicht

Weil beide Analysen mit derselben Methode und demselben Zeitraum gemacht sind, lassen sich ein paar Dinge direkt vergleichen. Erstaunlich ähnlich ist das Nutzungsverhalten: Rechnet man nur mit den Parteien, die in beiden Ländern angetreten sind, sind jeweils knapp zwei Drittel der Kandidierenden mit Account regelmäßig aktiv, zwischen einem Sechstel und einem Fünftel fährt nur mit, und der Anteil von Reels und Collabs ist praktisch gleich.

Ähnlich ist auch der Zusammenhang mit dem Ergebnis, sobald man die Amtsinhabenden herausrechnet: In beiden Ländern liegt er auf demselben, schwachen Niveau. Was dagegen landesspezifisch ist, ist die Frage, welche Partei davon profitiert. In Berlin zeigt sich der Zusammenhang am deutlichsten bei den Grünen, in Sachsen-Anhalt war er bei ihnen sogar negativ. Bei der Linken war er dagegen in Sachsen-Anhalt deutlicher als in Berlin.

Das Posten ähnelt sich, die Wirkung je Partei nicht.

Typologie und Eigenpräsenz sind in beiden Ländern erstaunlich ähnlich. Welche Partei von Eigenleistung profitiert, ist dagegen landesspezifisch.

TypologieAnteile der Beobachteten (Status ok)Berlin53102116Sachsen-Anhalt57101716SelbstmacherNetzwerkerBeifahrerUnsichtbarMedian eigene Postsin 14 Wochen, Beobachtete17Berlin18Sachsen-AnhaltPosts ↔ Kandidateneffektρ in den Parteien, ohne Amtsinhabende0,17Berlin0,18Sachsen-AnhaltDAS UNTERSCHEIDET SICH · GRÜNEZusammenhang zwischen Posts und Kandidateneffekt (ρ)In Berlin geht mehr Einsatz mit einem besseren persönlichen Ergebnis einher,in Sachsen-Anhalt nicht. Basis: 70 Grüne in Berlin, 32 in Sachsen-Anhalt.0,56Berlin−0,20Sachsen-Anhalt

Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.

Daten als Tabelle anzeigen
KennzahlBerlinSachsen-Anhalt
Selbstmacher % (Berlin / LSA)53,156,9
Median eigene Posts17,018,0
ρ Posts ohne Amtsinhabende0,170,18
Grüne ρ Posts0,56−0,20

Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Vergleich nur mit den Parteien beider Länder (CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD, FDP, BSW), Status ok: Berlin 350, Sachsen-Anhalt 197 · Abdeckung nicht vergleichbar

Nicht vergleichen lässt sich alles, was davon abhängt, wie viele Accounts gefunden wurden – und dazu gehört auch das Gedankenexperiment mit den Wahlkreisen.

Was heißt das für dich?

Was sich zwischen den Ländern wiederholt, ist ein allgemeines Muster: regelmäßig selbst posten, statt nur mitzufahren. Welche Partei davon wie stark profitiert, hängt dagegen an der Lage im Land – Erfolgsrezepte aus einem Bundesland lassen sich deshalb nicht einfach auf ein anderes übertragen.

Top 25 nach Reichweite

Wer hat im Berliner Wahlkampf eigentlich die meisten Menschen erreicht? Die folgende Liste zeigt die 25 Direktkandidierenden mit den meisten Aufrufen ihrer eigenen Reels, über alle Parteien hinweg und rein nach Zahlen. Zusammen kommen sie auf 75,7 Prozent aller Aufrufe. Nur vier von ihnen haben ihren Wahlkreis gewonnen, sieben hatten bereits ein Mandat oder ein Senatsamt.

Die 25 reichweitenstärksten Direktkandidierenden

Rang nach Aufrufen der eigenen Reels, über alle Parteien hinweg. Die Spaltenüberschriften sortieren die Tabelle.

RangNameParteiWahlkreisAufrufe eigener ReelsAnteilDirektmandatAmt
1Marcel HoppSPDNeukölln 49.668.42019,0 %MdA
2Elif EralpLinkeFriedrichshain-Kreuzberg 16.412.05312,6 %✓MdA
3Julian AdratAfDMitte 52.332.3044,6 %
4Jakob ZimmerGrüneCharlottenburg-Wilmersdorf 61.954.7053,8 %✓
5Michael LüdersBSWNeukölln 21.803.9113,5 %
6Franziska GiffeySPDNeukölln 61.598.0693,1 %Senat
7Kristin BrinkerAfDSteglitz-Zehlendorf 11.572.0403,1 %MdA
8Corinna BalkowGrüneCharlottenburg-Wilmersdorf 21.529.5173,0 %
9Steffen KrachSPDSteglitz-Zehlendorf 21.397.7222,7 %
10Martha KleedörferLinkeMitte 61.206.7432,4 %✓
11Faruh TursunovBSWFriedrichshain-Kreuzberg 41.014.2072,0 %
12Vivien-Nathalie KeilbarCDUCharlottenburg-Wilmersdorf 1845.7571,7 %
13Noah HäbelAfDTreptow-Köpenick 1779.9981,5 %
14Christoph SchröterAfDTempelhof-Schöneberg 1728.8711,4 %
15Vasili FrancoGrüneFriedrichshain-Kreuzberg 5675.9901,3 %
16Stefan EversCDUTreptow-Köpenick 4674.5531,3 %Senat
17Pascal GrotheGrüneMarzahn-Hellersdorf 4657.5521,3 %
18Kübra BeydașGrüneFriedrichshain-Kreuzberg 1575.5121,1 %
19Tobias SchulzeLinkeMitte 3520.0551,0 %MdA
20Bettina JaraschGrünePankow 1508.2011,0 %
21Batuhan TemizFDPLichtenberg 4494.2061,0 %
22Orkan ÖzdemirSPDTempelhof-Schöneberg 3407.2330,8 %
23Tuba BozkurtGrüneMitte 6402.6200,8 %MdA
24Christoph WegenerCDUSteglitz-Zehlendorf 6375.6890,7 %✓
25Sevim DağdelenBSWMitte 2356.8780,7 %

Aufrufe eigener Reels, 14.06.–20.09.2026. Anteil an allen 50.869.927 Aufrufen. MdA: Mitglied des Abgeordnetenhauses vor der Wahl. Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst

Zehn Profile, die aufgefallen sind

Zum Schluss zehn Kandidierende, deren Auftritt sich lohnt, genauer anzuschauen – aus sechs Parteien, mit und ohne bisheriges Mandat, mit und ohne Direktmandat. Ausgewählt habe ich sie nach Regelmäßigkeit, Reichweite und Kandidateneffekt. Schau dir die Profile ruhig selbst an.

Lars Bocian

Lars Bocian

CDU · Pankow 2 · @larsbocian

Christoph Wegener

Christoph Wegener

CDU · Steglitz-Zehlendorf 6 · @christophwegener.cdu

Marcel Hopp

Marcel Hopp

SPD · Neukölln 4 · @hopp_stagram

Orkan Özdemir

Orkan Özdemir

SPD · Tempelhof-Schöneberg 3 · @orkan_oezdemir

Jakob Zimmer

Jakob Zimmer

Grüne · Charlottenburg-Wilmersdorf 6 · @jakob.m.zimmer

Vasili Franco

Vasili Franco

Grüne · Friedrichshain-Kreuzberg 5 · @vasi_f

Elif Eralp

Elif Eralp

Die Linke · Friedrichshain-Kreuzberg 1 · @eliferalp

Martha Kleedörfer

Martha Kleedörfer

Die Linke · Mitte 6 · @marthriarchy

Batuhan Temiz

Batuhan Temiz

FDP · Lichtenberg 4 · @batuhan.temiz_

Anna Auerbach

Anna Auerbach

Volt · Mitte 1 · @anna.auerbach

Handlungsempfehlungen

Selbst posten, nicht nur mitfahren. Plane mindestens einen eigenen Beitrag pro Woche über die gesamte heiße Phase. Collabs mit deinem Bezirksverband sind ein guter Zusatz, aber kein Ersatz.

Einen Rhythmus über die ganze heiße Phase halten. Der Wahlkampf auf Social Media dauert nicht zwei Wochen, sondern mehrere Monate. Plane deine Beiträge so, dass sie über den gesamten Zeitraum tragen, und nicht nur in den letzten Tagen vor der Wahl.

Am eigenen Parteiergebnis messen. Vergleiche dein Erststimmenergebnis immer mit dem Zweitstimmenergebnis deiner Partei im selben Wahlkreis. Nur so siehst du, was du selbst beigetragen hast.

Reichweite als Bonus planen, nicht als Mandatsstrategie. Wo die Partei stark ist, entscheidet sie das Mandat. Wo sie schwach ist, verbessert Reichweite dein Ergebnis, ersetzt aber keine Wahlkreisstrategie.

Amtsreichweite nicht mit eigener Reichweite verwechseln. Wer ein Amt hat, startet mit einem großen Vorsprung. Wer keins hat, sollte sich an der eigenen Resonanz messen, nicht an den Followerzahlen der Amtsinhabenden.

Titelseite des betterpolitics Analysen Reports zur Abgeordnetenhauswahl Berlin 2026

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Methodik und Grenzen

Grundgesamtheit sind alle 670 Direktkandidierenden zur Wahl des Abgeordnetenhauses von Berlin am 20. September 2026 laut Amtsblatt für Berlin Nr. 36 vom 27. August 2026. Die Wahlergebnisse stammen aus dem amtlichen Endergebnis, das der Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026 festgestellt hat (Ergebnis nach Wahlbezirken, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Lizenz CC BY 3.0 DE). Gegenüber dem vorläufigen Ergebnis hat sich ein Wahlkreissieg geändert: Spandau 1 ging mit 34 Stimmen Vorsprung an die AfD statt an die CDU.

Die Instagram-Accounts wurden in mehreren Runden recherchiert: über Partei- und Fraktionsseiten, eigene Webseiten, abgeordnetenwatch.de, die Instagram-eigene Suche und eine manuelle Gegenprüfung. Für 449 Kandidierende wurde ein Account gefunden. Ausgewertet werden konnten 423: 390 mit Beiträgen im Zeitraum und 33 ohne. 19 Accounts sind privat, 7 Handles existieren nicht mehr. Für 193 Kandidierende ließ sich kein Account finden, bei weiteren 28 ließ sich keiner bestätigen – bei 12 davon spricht die Quellenlage dagegen, dass es einen gibt. Fehlende Werte sind nicht null – bei den nicht gefundenen Accounts ist nicht zu unterscheiden, ob es keinen Account gibt oder er nur nicht auffindbar war.

Die Posts wurden mit Apify (instagram-post-scraper) erhoben, Zeitraum 14. Juni, 0 Uhr, bis 20. September 2026, 18 Uhr, ohne angepinnte Beiträge. Weil die Erhebung einzelne Profile nicht vollständig geliefert hat, wurden auffällige Profile ein zweites Mal erhoben und beide Läufe zusammengeführt. Bei Profilen, die nur einmal erhoben wurden, sind die Zahlen der Beiträge und Aufrufe als Untergrenze zu verstehen. Aufrufe gibt es öffentlich nur für Reels, Follower nur mit dem Stand nach der Wahl (2. Oktober 2026).

Der Kandidateneffekt ist das Erststimmenergebnis einer Person abzüglich des Zweitstimmenergebnisses ihrer Partei im selben Wahlkreis. Zusammenhänge sind als Rangkorrelation (Spearman) innerhalb der Parteien berechnet. Ein Zusammenhang ist keine Ursache, und Reichweite ist oft eine Folge von Bekanntheit, besonders bei Amtsinhabenden. Die Ost-West-Zuordnung der Wahlkreise folgt dem Amt für Statistik, zwei Wahlkreise sind dort nicht zugeordnet. Der Ost-West-Vergleich bezieht sich auf die Kandidierenden mit beobachtbarem Account. Zählt man alle ohne Account mit null, wird der Unterschied ohne Amtsinhabende knapp signifikant – auch deshalb spreche ich von einer Tendenz und nicht von einem gesicherten Befund.

Das Follower-Parlament folgt den §§ 17 und 18 des Landeswahlgesetzes: Hare/Niemeyer, Fünf-Prozent-Hürde oder mindestens ein Wahlkreissitz, Abzug des Sitzes eines erfolgreichen Einzelbewerbers. Überhang- und Ausgleichsmandate sind nicht berücksichtigt.

Alle Parteien sind als Datenpunkte enthalten. Ausgewertet wurde nur Instagram, andere Kanäle wie TikTok, Facebook oder X sind nicht erfasst. Negative Befunde werden nur zusammengefasst dargestellt, positive Beispiele namentlich.

Bildnachweis: Titelbild „Abgeordnetenhaus von Berlin 0240“, Foto: Dosseman, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0, bearbeitet (Ausschnitt, Farbfläche).

Autor: Pascal Schejnoha

Ich helfe mit betterpolitics politisch Aktiven dabei, professioneller zu kommunizieren. Bevor ich mich selbständig gemacht habe, war ich mehrere Jahre Büroleiter und Pressesprecher im Landtag von Baden-Württemberg. In meiner Masterarbeit habe ich die kandidatenbezogene Social-Media-Kommunikation zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 empirisch untersucht.

Mit den betterpolitics Analysen werte ich politische Kommunikation auf Social Media datenbasiert aus – kostenlos und parteiübergreifend.

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