Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt habe ich mir im September angeschaut, wie die Direktkandidierenden dort Instagram genutzt haben. Zwei Wochen später hat Berlin gewählt – und damit ein Land, das politisch, strukturell und medial ziemlich genau das Gegenteil eines Flächenlands ist. Für diese Analyse habe ich deshalb dieselben Fragen noch einmal gestellt, mit derselben Methode und demselben Zeitraum von 14 Wochen.
Angeschaut habe ich alle 670 Direktkandidierenden in den 78 Berliner Wahlkreisen, über alle Parteien hinweg. Ausgewertet habe ich jeden eigenen Instagram-Post zwischen dem 14. Juni und dem Schließen der Wahllokale am 20. September, dazu die Collabs mit anderen Accounts und die Wahlergebnisse aus den Wahlkreisen. Wahlsiegerin ist die Linke mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen und 28 von 78 Direktmandaten.
Drei Fragen standen dabei im Mittelpunkt. Wie wäre die Wahl ausgegangen, wenn Instagram entschieden hätte? Wie intensiv haben die Kandidierenden Social Media überhaupt genutzt? Und hat sich dieser Einsatz im eigenen Ergebnis bemerkbar gemacht? Dazu kommt ein kurzer Blick auf Ost und West und auf das, was Berlin von Sachsen-Anhalt unterscheidet.
Hätten die Follower über die Direktmandate entschieden, hätte in 56 der 78 Wahlkreise jemand anderes gewonnen – und die Linke hätte 23 ihrer 28 Wahlkreise verloren.
Ein Parlament nach Followern wäre vor allem ein Parlament der Amtsinhabenden: Rechnet man eine einzige Abgeordnete heraus, verschieben sich 18 von 129 Sitzen.
Innerhalb der eigenen Partei hängt mehr Aktivität auf Social Media leicht positiv mit dem persönlichen Ergebnis zusammen – bei den Grünen deutlich, bei der Linken gar nicht.
Zwischen Ost und West gibt es Tendenzen, aber keinen gesicherten Unterschied. Auffällig ist trotzdem: Im Osten hat keiner der zehn reichweitenstärksten Kandidierenden seinen Wahlkreis gewonnen.
670
Direktkandidierende in 78 Wahlkreisen, über alle Parteien hinweg ausgewertet
423
davon mit beobachtbarem Instagram-Account
9.924
eigene Posts in den 14 Wochen vor der Wahl
50,9 Mio.
Aufrufe mit eigenen Reels
56 von 78
Wahlkreisen mit anderem Gewinner, wenn die Follower entschieden hätten
75,7 %
aller Reel-Aufrufe entfielen auf die 25 reichweitenstärksten Kandidierenden
Wie schon in Sachsen-Anhalt habe ich alle Kandidierenden anhand ihrer eigenen Posts und ihrer Collabs einem Typ zugeordnet. Selbstmacher:innen haben in den 14 Wochen mindestens zehn eigene Posts veröffentlicht und ihre Präsenz überwiegend selbst getragen – weniger als die Hälfte ihrer Beiträge waren Collabs. Netzwerker:innen haben ebenfalls mindestens zehn eigene Posts veröffentlicht, waren aber mindestens genauso oft in Collabs zu sehen. Beifahrer:innen kamen auf weniger als zehn eigene Posts, waren aber in mindestens fünf Collabs zu sehen und damit vor allem über Beiträge anderer Accounts sichtbar. Und Unsichtbare hatten weniger als zehn eigene Posts und weniger als fünf Collabs – sie haben im Wahlkampf so gut wie nichts veröffentlicht.
Von den 423 Kandidierenden mit beobachtbarem Account waren 203 Selbstmacher:innen und 37 Netzwerker:innen. Gut die Hälfte hat also regelmäßig selbst gepostet, im Schnitt fast einmal pro Woche. 76 Kandidierende waren Beifahrer:innen, also fast jede:r Fünfte, und 107 waren auf Instagram im Wahlkampf praktisch nicht sichtbar.
Von 423 beobachteten Kandidierenden sind 48,0 % Selbstmacher:innen und 18,0 % Beifahrer:innen. Als aktiv gilt, wer mindestens 10 eigene Posts veröffentlicht hat, also rund einen pro Woche.
Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.
| Partei | Selbstmacher | Netzwerker | Beifahrer | Unsichtbar | beobachtet | nicht beobachtet | alle |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Alle Parteien | 203 | 37 | 76 | 107 | 423 | 247 | 670 |
| SPD | 55 | 4 | 7 | 9 | 75 | 3 | 78 |
| CDU | 42 | 10 | 11 | 11 | 74 | 4 | 78 |
| Grüne | 35 | 7 | 18 | 10 | 70 | 8 | 78 |
| BSW | 7 | 2 | 2 | 6 | 17 | 60 | 77 |
| AfD | 13 | 5 | 10 | 11 | 39 | 39 | 78 |
| Linke | 25 | 3 | 21 | 12 | 61 | 17 | 78 |
| FDP | 9 | 4 | 5 | 12 | 30 | 39 | 69 |
| Volt | 9 | 2 | 0 | 21 | 32 | 46 | 78 |
| Sonstige | 8 | 0 | 2 | 15 | 25 | 31 | 56 |
Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Typen nur für beobachtete Accounts (Status ok oder keine Posts im Zeitraum); Beobachtungsgrad hängt an der Recherche
Zwischen den Parteien sind die Unterschiede groß. Die Kandidierenden der SPD haben im Median 24 eigene Posts veröffentlicht, die der CDU 21 und die der Grünen 14,5. Beim BSW waren es 12, bei Linken, AfD und FDP nur 7 und bei Volt 3,5. Dabei muss man allerdings fair bleiben: Für 247 der 670 Kandidierenden ließ sich kein öffentlicher, auswertbarer Account finden. Wie oft das so ist, hängt auch davon ab, wie offen eine Partei die Accounts ihrer Leute veröffentlicht – bei CDU, SPD und Grünen konnte ich rund 90 Prozent oder mehr beobachten, bei der AfD genau die Hälfte und bei FDP und Volt nicht einmal das.
Etwa ein Post pro Woche ist die Mindestgrenze, ab der ich im Wahlkampf überhaupt von einem Social-Media-Auftritt spreche. Wer diese Grenze nicht schafft, wird meistens nur noch über die Accounts anderer sichtbar – und dann bestimmen andere, wann und wie du auftauchst.
Am Wahlabend war die Berliner Karte zweigeteilt: Die Linke holte 28 Wahlkreise, vor allem in der Innenstadt, die CDU 26, vor allem in den westlichen Außenbezirken, die AfD 13, vor allem im östlichen Stadtrand, die Grünen 10 und die SPD einen einzigen. Legt man stattdessen die Follower der Kandidierenden zugrunde, sieht dieselbe Karte völlig anders aus.
Hätten die Follower entschieden, hätte in 56 der 78 Wahlkreise jemand anderes gewonnen. Stärkste Kräfte wären dann Grüne und CDU mit jeweils 18 Wahlkreisen, gefolgt von der SPD mit 16. Die AfD käme auf 10, die Linke nur noch auf 7 – sie hätte damit 23 ihrer 28 Wahlkreise verloren. Zählt man statt der Follower die Aufrufe der eigenen Reels, wechselt der Gewinner sogar in 61 Wahlkreisen.
Real gewannen Linke 28, CDU 26, AfD 13, Grüne 10 und SPD 1 Wahlkreise. Nach Followern lägen CDU und Grüne mit je 18 vorn, nach Reel-Aufrufen wechselt der Sieg in 61 Wahlkreisen.
Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.
| WK | Wahlkreis | Real | Nach Followern | Nach Reel-Aufrufen |
|---|---|---|---|---|
| 101 | Mitte 1 | Silke Gebel (Grüne) | Silke Gebel (Grüne) | Stanislav Klimovich (SPD) |
| 102 | Mitte 2 | Leonard Diederich (Linke) | Sevim Dağdelen (BSW) | Sevim Dağdelen (BSW) |
| 103 | Mitte 3 | Jian Omar (Grüne) | Jian Omar (Grüne) | Tobias Schulze (Linke) |
| 104 | Mitte 4 | Taylan Kurt (Grüne) | Taylan Kurt (Grüne) | Taylan Kurt (Grüne) |
| 105 | Mitte 5 | Andreas Umgelter (Linke) | Julian Adrat (AfD) | Julian Adrat (AfD) |
| 106 | Mitte 6 | Martha Kleedörfer (Linke) | Tuba Bozkurt (Grüne) | Martha Kleedörfer (Linke) |
| 107 | Mitte 7 | Deike Janssen (Linke) | Maja Lasić (SPD) | Tarek Massalme (Grüne) |
| 201 | Friedrichshain-Kreuzberg 1 | Elif Eralp (Linke) | Elif Eralp (Linke) | Elif Eralp (Linke) |
| 202 | Friedrichshain-Kreuzberg 2 | Michael Efler (Linke) | Johannes Fehr (MERA25) | Johannes Fehr (MERA25) |
| 203 | Friedrichshain-Kreuzberg 3 | Kerstin Wolter-Ehling (Linke) | Enad Altaweel (Grüne) | Enad Altaweel (Grüne) |
| 204 | Friedrichshain-Kreuzberg 4 | Damiano Valgolio (Linke) | Jan Mihm (Einzelbewerber) | Faruh Tursunov (BSW) |
| 205 | Friedrichshain-Kreuzberg 5 | Ekkehard Spiegel (Linke) | Vasili Franco (Grüne) | Vasili Franco (Grüne) |
| 301 | Pankow 1 | Johannes Kraft (CDU) | Bettina Jarasch (Grüne) | Bettina Jarasch (Grüne) |
| 302 | Pankow 2 | Lars Bocian (CDU) | Lars Bocian (CDU) | Lars Bocian (CDU) |
| 303 | Pankow 3 | Christian Zebisch (Linke) | Oda Hassepaß (Grüne) | Oda Hassepaß (Grüne) |
| 304 | Pankow 4 | Herbert Mohr (AfD) | Dirk Stettner (CDU) | Dirk Stettner (CDU) |
| 305 | Pankow 5 | Enja Springob (Linke) | Louis Krüger (Grüne) | Arne Gröschel (SPD) |
| 306 | Pankow 6 | Maria Bigos (Linke) | Linda Vierecke (SPD) | Linda Vierecke (SPD) |
| 307 | Pankow 7 | Niklas Schrader (Linke) | Can Aru (Grüne) | Theresa Schültken (Volt) |
| 308 | Pankow 8 | Daniela Billig (Grüne) | Gloria Viagra (Linke) | Gloria Viagra (Linke) |
| 309 | Pankow 9 | Maximilian Schirmer (Linke) | Maximilian Schirmer (Linke) | Paul-Johann von Loeper (Volt) |
| 401 | Charlottenburg-Wilmersdorf 1 | Niklas Schenker (Linke) | Niklas Schenker (Linke) | Vivien-Nathalie Keilbar (CDU) |
| 402 | Charlottenburg-Wilmersdorf 2 | Ariturel Hack (CDU) | Hugh Bronson (AfD) | Corinna Balkow (Grüne) |
| 403 | Charlottenburg-Wilmersdorf 3 | Petra Vandrey (Grüne) | Martin Kohler (AfD) | Martin Kohler (AfD) |
| 404 | Charlottenburg-Wilmersdorf 4 | Aldona Niemczyk (CDU) | Aldona Niemczyk (CDU) | Thuy Dung Nguyen (BSW) |
| 405 | Charlottenburg-Wilmersdorf 5 | Sandra Khalatbari (CDU) | Christoph Meyer (FDP) | Sandra Khalatbari (CDU) |
| 406 | Charlottenburg-Wilmersdorf 6 | Jakob Zimmer (Grüne) | Jakob Zimmer (Grüne) | Jakob Zimmer (Grüne) |
| 407 | Charlottenburg-Wilmersdorf 7 | Felor Badenberg (CDU) | Isabel Blecher (Grüne) | Isabel Blecher (Grüne) |
| 501 | Spandau 1 | Tommy Tabor (AfD) | Sebahat Atli (SPD) | Sebahat Atli (SPD) |
| 502 | Spandau 2 | Andreas Otti (AfD) | Maurice Lange (Grüne) | Raed Saleh (SPD) |
| 503 | Spandau 3 | Thomas Wulfes (Linke) | Gollaleh Ahmadi (Grüne) | Gollaleh Ahmadi (Grüne) |
| 504 | Spandau 4 | Heiko Melzer (CDU) | Leif Sporleder (Grüne) | Marco Rumza (SPD) |
| 505 | Spandau 5 | Kai Wegner (CDU) | Kai Wegner (CDU) | Kai Wegner (CDU) |
| 601 | Steglitz-Zehlendorf 1 | Tonka Wojahn (Grüne) | Kristin Brinker (AfD) | Kristin Brinker (AfD) |
| 602 | Steglitz-Zehlendorf 2 | Tom Cywinski (CDU) | Steffen Krach (SPD) | Steffen Krach (SPD) |
| 603 | Steglitz-Zehlendorf 3 | Jens Hoffmann (CDU) | Jens Hoffmann (CDU) | Dennis Egginger-Gonzalez (Linke) |
| 604 | Steglitz-Zehlendorf 4 | Cornelia Seibeld (CDU) | Cornelia Seibeld (CDU) | Carolyn Macmillan (SPD) |
| 605 | Steglitz-Zehlendorf 5 | Marco Hahnfeld (CDU) | Karoline Preisler (FDP) | Karoline Preisler (FDP) |
| 606 | Steglitz-Zehlendorf 6 | Christoph Wegener (CDU) | Tobias Bauschke (FDP) | Christoph Wegener (CDU) |
| 607 | Steglitz-Zehlendorf 7 | Stephan Standfuß (CDU) | Stephan Standfuß (CDU) | Stephan Standfuß (CDU) |
| 701 | Tempelhof-Schöneberg 1 | Sebastian Walter (Grüne) | Christoph Schröter (AfD) | Christoph Schröter (AfD) |
| 702 | Tempelhof-Schöneberg 2 | Martina Zander-Rade (Grüne) | Michael Biel (SPD) | Martina Zander-Rade (Grüne) |
| 703 | Tempelhof-Schöneberg 3 | Christoph Störmer (Grüne) | Orkan Özdemir (SPD) | Orkan Özdemir (SPD) |
| 704 | Tempelhof-Schöneberg 4 | Sarah Bremer (Linke) | Melanie Kühnemann-Grunow (SPD) | Aferdita Suka (Grüne) |
| 705 | Tempelhof-Schöneberg 5 | Roman Simon (CDU) | Frank-Christian Hansel (AfD) | Frank-Christian Hansel (AfD) |
| 706 | Tempelhof-Schöneberg 6 | Scott Körber (CDU) | Oliver Schworck (SPD) | Scott Körber (CDU) |
| 707 | Tempelhof-Schöneberg 7 | Christian Zander (CDU) | Christian Zander (CDU) | Katharina Hild (Grüne) |
| 801 | Neukölln 1 | Vanessa Emde (Linke) | Vanessa Emde (Linke) | Vanessa Emde (Linke) |
| 802 | Neukölln 2 | Philipp-Martin Dehne (Linke) | Michael Lüders (BSW) | Michael Lüders (BSW) |
| 803 | Neukölln 3 | Rouzbeh Taheri (Linke) | Derya Çağlar (SPD) | Derya Çağlar (SPD) |
| 804 | Neukölln 4 | Christopher Förster (CDU) | Marcel Hopp (SPD) | Marcel Hopp (SPD) |
| 805 | Neukölln 5 | Robbin Juhnke (CDU) | Emmi Stiegler (Linke) | Joachim Rahmann (SPD) |
| 806 | Neukölln 6 | Olaf Schenk (CDU) | Franziska Giffey (SPD) | Franziska Giffey (SPD) |
| 901 | Treptow-Köpenick 1 | Moritz Warnke (Linke) | Noah Häbel (AfD) | Noah Häbel (AfD) |
| 902 | Treptow-Köpenick 2 | Lisa Pfitzmann (Linke) | Paul Bahlmann (SPD) | Paul Bahlmann (SPD) |
| 903 | Treptow-Köpenick 3 | Lars Düsterhöft (SPD) | Lars Düsterhöft (SPD) | Lars Düsterhöft (SPD) |
| 904 | Treptow-Köpenick 4 | Alexander Bertram (AfD) | Stefan Evers (CDU) | Stefan Evers (CDU) |
| 905 | Treptow-Köpenick 5 | Denis Henkel (AfD) | Lisa Knack (CDU) | Lisa Knack (CDU) |
| 906 | Treptow-Köpenick 6 | Martin Trefzer (AfD) | Alina-Viviane Lindemann (BSW) | Sara Rüdiger (SPD) |
| 907 | Treptow-Köpenick 7 | Hans Kromrey (Linke) | Dunja Wolff (SPD) | Dunja Wolff (SPD) |
| 1001 | Marzahn-Hellersdorf 1 | Gunnar Lindemann (AfD) | Gunnar Lindemann (AfD) | Niclas Rother (Grüne) |
| 1002 | Marzahn-Hellersdorf 2 | Anneliese Dummer (AfD) | Bernd Siggelkow (CDU) | Benjamin Klettbach (Grüne) |
| 1003 | Marzahn-Hellersdorf 3 | Jeannette Auricht (AfD) | Jeannette Auricht (AfD) | Robin Enderlein (CDU) |
| 1004 | Marzahn-Hellersdorf 4 | Martin Koblischke (AfD) | Pascal Grothe (Grüne) | Pascal Grothe (Grüne) |
| 1005 | Marzahn-Hellersdorf 5 | Katharina Günther-Wünsch (CDU) | Katharina Günther-Wünsch (CDU) | Luise Lehmann (SPD) |
| 1006 | Marzahn-Hellersdorf 6 | Jörn Geißler (AfD) | Alexander Herrmann (CDU) | Jan Lehmann (SPD) |
| 1101 | Lichtenberg 1 | Stephan Knaute (AfD) | Danny Freymark (CDU) | Danny Freymark (CDU) |
| 1102 | Lichtenberg 2 | Martin Pätzold (CDU) | Stefan Schenck (SPD) | Stefan Schenck (SPD) |
| 1103 | Lichtenberg 3 | Claudia Engelmann (Linke) | Claudia Engelmann (Linke) | Claudia Engelmann (Linke) |
| 1104 | Lichtenberg 4 | Antonio Leonhardt (Linke) | Batuhan Temiz (FDP) | Batuhan Temiz (FDP) |
| 1105 | Lichtenberg 5 | Hendrikje Klein (Linke) | Sarah Ribbeck (CDU) | Sarah Ribbeck (CDU) |
| 1106 | Lichtenberg 6 | Julia Behrens (Linke) | Daniela Ehlers (Grüne) | Julia Behrens (Linke) |
| 1201 | Reinickendorf 1 | Pilar Caballero Alvarez (Linke) | Burkard Dregger (CDU) | Jelisaweta Kamm (Grüne) |
| 1202 | Reinickendorf 2 | Felix Schönebeck (CDU) | Felix Schönebeck (CDU) | Felix Schönebeck (CDU) |
| 1203 | Reinickendorf 3 | Niklas Graßelt (CDU) | Niklas Graßelt (CDU) | Samuel Märkt (SPD) |
| 1204 | Reinickendorf 4 | Tomasz Klon (CDU) | Rolf Wiedenhaupt (AfD) | Rolf Wiedenhaupt (AfD) |
| 1205 | Reinickendorf 5 | Carsten Ubbelohde (AfD) | Sevda Boyraci (SPD) | Carsten Ubbelohde (AfD) |
| 1206 | Reinickendorf 6 | Richard Gamp (CDU) | Klara Josephine Schedlich (Grüne) | Leonhard Rettinghaus (Tierschutzpartei) |
Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Kandidierende ohne Account oder Daten zählen im Szenario als 0
Nur in 22 Wahlkreisen lag die Person, die tatsächlich gewonnen hat, auch bei den Followern vorn. Wie weit beides auseinanderliegen kann, zeigt Friedrichshain-Kreuzberg 4: Dort hätte nach Followern ein Einzelbewerber gewonnen, der am Wahltag auf 0,7 Prozent der Erststimmen kam.
Follower sind kein Stimmzettel. Im Wahlkreis entscheidet meistens, wie stark deine Partei vor Ort ist, und nicht, wie groß dein Account ist. Social Media lohnt sich trotzdem – aber als Werkzeug für Bekanntheit und Mobilisierung, nicht als Hoffnung auf das Direktmandat.
Noch deutlicher wird das Bild, wenn man nicht nur die Wahlkreise, sondern gleich das ganze Abgeordnetenhaus nach Followern verteilt. Dafür habe ich die Follower aller Direktkandidierenden je Partei zusammengezählt und die Sitze nach demselben Verfahren verteilt wie bei der echten Wahl: nach Hare/Niemeyer, mit Fünf-Prozent-Hürde und der Berliner Besonderheit, dass auch ein einzelner Wahlkreissieg für den Einzug reicht.
Das Ergebnis: Die SPD käme auf 34 Sitze und wäre stärkste Kraft, knapp vor der Linken mit 33. Dahinter folgen Grüne mit 19, CDU mit 15, FDP mit 11, BSW mit 9 und AfD mit 7 Sitzen. Die AfD schafft die Hürde mit 5,2 Prozent der Follower nur knapp – mit rund 2.600 Followern Vorsprung. Zum Vergleich: Im echten Abgeordnetenhaus hat die Linke nach dem amtlichen Endergebnis 45 Sitze, die CDU 33, die AfD 29, die Grünen 25 und die SPD 21.
Die Sitze sind nach dem Berliner Verfahren verteilt, aber mit Follower-Summen statt Zweitstimmen. Ringe markieren Fraktionen, die nur über die Grundmandatsklausel einziehen.
Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.
| Partei | Sitze real | nach Followern | ohne Eralp | ohne Amtsinhabende |
|---|---|---|---|---|
| CDU | 33 | 15 | 18 | 15 |
| SPD | 21 | 34 | 40 | 21 |
| Grüne | 25 | 19 | 22 | 25 |
| Linke | 45 | 33 | 15 | 16 |
| AfD | 29 | 7 | 8 | 8 |
| FDP | 0 | 11 | 14 | 22 |
| BSW | 0 | 9 | 11 | 17 |
| Sonstige | 0 | 1 | 1 | 5 |
| Mihm (Einzelbewerber) | 0 | 1 | 1 | 1 |
Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Verteilung Hare/Niemeyer, Überhang und Ausgleich nicht modelliert · Follower Stand 02.10.2026
Wer genauer hinschaut, sieht schnell, wem diese Follower gehören. Bei der Linken entfallen drei Viertel aller Follower auf Amtsinhabende, bei der SPD zwei Drittel. Rechnet man eine einzige Abgeordnete heraus, nämlich Elif Eralp mit 187.355 Followern, fällt die Linke von 33 auf 15 Sitze, und insgesamt verschieben sich 18 der 129 Sitze. Und ohne alle Amtsinhabenden wären plötzlich die Grünen stärkste Kraft, dicht gefolgt von FDP und SPD.
Bei der Reichweite der Reels ist die Konzentration noch größer. Die zehn reichweitenstärksten Accounts haben zusammen 58 Prozent aller Aufrufe der eigenen Reels geholt, allein Marcel Hopp (SPD) fast ein Fünftel.
Allein Marcel Hopp kommt auf 19,0 % aller 50,9 Mio. Aufrufe eigener Reels. 4 der zehn reichweitenstärksten Accounts gehören Amtsinhabenden.
Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.
| Name | Partei | Amtsinhabende | Anteil % | Aufrufe |
|---|---|---|---|---|
| Marcel Hopp | SPD | ja | 19,0 | 9.668.420 |
| Elif Eralp | Linke | ja | 12,6 | 6.412.053 |
| Julian Adrat | AfD | nein | 4,6 | 2.332.304 |
| Jakob Zimmer | Grüne | nein | 3,8 | 1.954.705 |
| Michael Lüders | BSW | nein | 3,5 | 1.803.911 |
| Franziska Giffey | SPD | ja | 3,1 | 1.598.069 |
| Kristin Brinker | AfD | ja | 3,1 | 1.572.040 |
| Corinna Balkow | Grüne | nein | 3,0 | 1.529.517 |
| Steffen Krach | SPD | nein | 2,7 | 1.397.722 |
| Martha Kleedörfer | Linke | nein | 2,4 | 1.206.743 |
| alle übrigen | 42,1 | 21.394.443 |
Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Aufrufe eigener Reels, Collab-Posts nicht eingerechnet · einmal erhobene Profile eher Untergrenzen
Reichweite in der Politik ist zuerst Amtsbonus und Bekanntheit. Wer noch kein Mandat hat, sollte sich deshalb nicht an den Followerzahlen der Amtsinhabenden messen, sondern daran, wie viele Menschen seine Beiträge im Verhältnis zur eigenen Community erreichen – und was das im eigenen Wahlkreis bringt.
Die naheliegende Frage ist, ob sich der Aufwand im Ergebnis zeigt. Wie in Sachsen-Anhalt reicht es dafür nicht, einfach die Erststimmen zu vergleichen, sonst misst man vor allem, wie stark eine Partei in einem Wahlkreis ohnehin ist. Ich habe deshalb für jede Kandidatur den Kandidateneffekt berechnet: das Erststimmenergebnis der Person abzüglich des Zweitstimmenergebnisses ihrer Partei im selben Wahlkreis.
Anders als in Sachsen-Anhalt gibt es in Berlin einen leichten positiven Zusammenhang. Wer innerhalb seiner Partei mehr gepostet, mehr Reichweite oder mehr Follower hatte, lag im Schnitt etwas häufiger über dem Ergebnis seiner Partei. Der Zusammenhang ist schwach, und ein Teil davon ist Amtsbonus – er bleibt aber auch bestehen, wenn man die Amtsinhabenden herausrechnet. Kandidierende, die im Wahlkampf praktisch unsichtbar waren, lagen im Schnitt knapp einen Prozentpunkt unter ihrer Partei.
Hatten Kandidierende mit mehr Einsatz ein besseres Ergebnis als der Rest ihrer Partei? Über alle Parteien ist der Zusammenhang schwach, bei den Grünen deutlich, bei Linken und BSW nicht erkennbar.
Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.
| Partei | ρ Posts | ρ Reel-Aufrufe | ρ Follower | n |
|---|---|---|---|---|
| Grüne | 0,56 | 0,51 | 0,46 | 70 |
| AfD | 0,35 | 0,21 | 0,33 | 39 |
| SPD | 0,21 | 0,29 | 0,38 | 75 |
| Linke | 0,16 | −0,03 | 0,03 | 61 |
| FDP | 0,16 | 0,21 | 0,38 | 30 |
| CDU | 0,12 | 0,15 | 0,26 | 74 |
| BSW | −0,10 | −0,19 | −0,17 | 17 |
| Volt | −0,14 | −0,21 | −0,12 | 32 |
| Alle Parteien | 0,21 | 0,18 | 0,25 | 398 |
| Alle, ohne Amtsbonus | 0,16 | 0,14 | 0,19 | 398 |
Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · nur beobachtete Accounts · Zusammenhang, keine Wirkung · wenig belastbar: weniger als 10 Kandidierende
Zwischen den Parteien unterscheidet sich das Bild allerdings stark. Bei den Grünen ist der Zusammenhang am deutlichsten: Das reichweitenstärkste Drittel ihrer Kandidierenden lag rund zwei Prozentpunkte über dem, was man aufgrund der Parteistärke vor Ort erwarten würde. Auch bei CDU, SPD, AfD und FDP zeigt sich ein positiver Zusammenhang, er ist aber schwächer und nicht überall statistisch belastbar. Bei der Linken dagegen gar keiner: Ihr reichweitenstärkstes Drittel lag zwar mehr als sieben Prozentpunkte über dem Schnitt der Partei, aber fast ausschließlich, weil es in den Hochburgen angetreten ist. Aus eigener Kraft kam praktisch nichts dazu.
Verglichen wird das reichweitenstärkste Drittel jeder Partei mit allen Beobachteten der Partei. Wie viel kommt aus einer starken Region, wie viel hat die Person selbst geholt?
Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.
| Partei | Kandidierende | ① Region | ② Person | ① + ② gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Linke | 20 | +7,32 | −0,06 | +7,26 |
| Grüne | 23 | +3,07 | +2,02 | +5,09 |
| CDU | 25 | +2,25 | +0,59 | +2,84 |
| SPD | 25 | −0,01 | +0,76 | +0,75 |
| FDP | 10 | +0,61 | +0,07 | +0,68 |
| BSW | 6 | −0,04 | +0,00 | −0,04 |
| AfD | 13 | −2,19 | +0,21 | −1,98 |
| Linke ohne Amt | 17 | +7,40 | −0,52 | +6,88 |
| Grüne ohne Amt | 21 | +2,42 | +1,42 | +3,84 |
| CDU ohne Amt | 16 | +3,22 | +0,50 | +3,72 |
| SPD ohne Amt | 17 | +0,13 | +0,93 | +1,06 |
| AfD ohne Amt | 10 | +1,23 | −0,06 | +1,17 |
Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Reichweite = Aufrufe eigener Reels · stimmengewichtet · nur beobachtete Accounts · Rundungsdifferenzen möglich
Aktiv zu sein, ist keine Garantie für ein besseres Ergebnis, aber unsichtbar zu sein, kostet im Schnitt etwas. Wenn du deinen eigenen Wahlkampf auswerten willst, vergleiche dich deshalb nie mit den Erststimmen anderer Kandidierender, sondern immer mit dem Ergebnis deiner eigenen Partei im selben Wahlkreis.
Berlin hat nach der Wahl wieder einmal die Frage nach Ost und West aufgeworfen. Für Social Media habe ich mir deshalb angeschaut, ob Reichweite in den Wahlkreisen im Osten anders mit dem Ergebnis zusammenhängt als im Westen. Vorweg das Wichtigste: Ein Unterschied lässt sich statistisch nicht sicher feststellen. Was die Daten zeigen, sind höchstens Tendenzen.
Im Osten hängt die Reichweite der eigenen Reels innerhalb der Parteien etwas deutlicher mit dem persönlichen Ergebnis zusammen als im Westen. Im Westen wird der Zusammenhang dagegen fast unsichtbar, sobald man die Amtsinhabenden herausrechnet. Der Unterschied zwischen beiden ist aber zu klein, um ihn als echten Effekt zu werten.
Reichweite hängt im Osten etwas enger mit dem Ergebnis zusammen, statistisch gesichert ist das nicht. Im Westen haben drei der zehn reichweitenstärksten Accounts ihren Wahlkreis gewonnen.
Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.
| Gruppe | ρ Aufrufe (in Parteien) | ρ ohne Amt | Top-10 mit Direktmandat | Beifahrer unter Gewinner:innen |
|---|---|---|---|---|
| Ost | 0,23 | 0,22 | 0 | 10 |
| West | 0,12 | 0,05 | 3 | 5 |
Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Ost/West nach Wahlkreis, Mitte 1 und Friedrichshain-Kreuzberg 3 nicht zuordenbar · Tendenzen, statistisch nicht gesichert
Auffällig ist trotzdem eine Konstellation. Von den zehn reichweitenstärksten Kandidierenden im Osten hat keiner seinen Wahlkreis gewonnen, obwohl sechs von ihnen besser abgeschnitten haben als ihre Partei. Im Westen haben drei der zehn gewonnen. Gleichzeitig war im Osten fast jede:r dritte Wahlkreissieger:in eine Beifahrer:in – vor allem bei Linken und AfD, deren Hochburgen die Arbeit gemacht haben. Im Westen war es nur etwa jede:r neunte.
Wo eine Partei sehr stark ist, gewinnt sie den Wahlkreis meistens auch ohne den großen Social-Media-Auftritt ihrer Kandidierenden. Wo sie es nicht ist, kann Reichweite das eigene Ergebnis verbessern, ein Direktmandat holt sie aber nur selten allein. Plane Social Media deshalb als Bonus zu deiner Partei, nicht als Ersatz für sie.
Ein großer Teil der Sichtbarkeit im Wahlkampf läuft über Collabs, also über Beiträge, die gemeinsam mit anderen Accounts veröffentlicht werden. Ich habe mir deshalb alle 4.980 Collab-Posts angeschaut und die Partner danach eingeordnet, wer sie sind. Das Ergebnis: Gut die Hälfte kam aus der eigenen Partei, vor allem von Bezirks- und Ortsverbänden, dem Landesverband und der Fraktion. Etwa jeder vierte Collab-Post lief mit einzelnen Personen, also anderen Kandidierenden, bekannten Gesichtern der Partei, Creatorn oder dem eigenen Team. Das parteinahe Vorfeld – Jugendorganisationen, Vereinigungen und Arbeitsgemeinschaften, Verbände und Initiativen – war nur an rund jedem zehnten Collab-Post beteiligt.
Spannend ist, wie unterschiedlich die Parteien dabei aufgestellt sind. Bei der Linken läuft fast alles über die Parteistruktur, allen voran der Landesverband, der 23 Kandidierende mitgenommen hat. Die Jugendorganisation taucht praktisch gar nicht auf. Bei den Grünen tragen dagegen die Bezirksverbände, und nach der AfD hat sich keine Partei so oft gegenseitig unterstützt: Jeder sechste Collab-Post lief zwischen zwei Kandidierenden. Die SPD nutzt ihr Vorfeld am stärksten – bei fast sechs von zehn Kandidierenden mit Collabs waren Jusos, SPD Frauen oder eine Arbeitsgemeinschaft dabei. Bei der CDU liefert der Landesverband den größten Teil der fremden Reichweite, dazu kommen die Junge Union und die LSU. Die AfD setzt auf Fraktion, Bezirksverbände und gegenseitige Collabs ihrer Kandidierenden. Und bei der FDP sind mehr als die Hälfte aller Posts auf den Profilen Collabs, getragen vor allem vom Landesverband.
Die Balken zeigen, mit wem Kandidierende ihre Collab-Posts veröffentlicht haben, nach Art des Partners. Rechts steht, wie oft sie sich gegenseitig gehoben haben und wie viele von ihnen das Vorfeld genutzt haben.
Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.
| Partei | Collab-Posts | Partei-Struktur | Vorfeld | Personen | Amt/Behörden | Medien | unklar | gegenseitig % (der Posts) | nutzen Vorfeld % (der Kandidierenden) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| CDU | 1099 | 38,9 | 11,6 | 25,3 | 17,0 | 0,6 | 6,6 | 9,6 | 53,8 |
| SPD | 883 | 55,5 | 13,5 | 21,7 | 1,0 | 1,7 | 6,6 | 10,2 | 58,3 |
| Grüne | 910 | 50,3 | 9,6 | 34,8 | 0,0 | 0,4 | 4,8 | 16,6 | 56,7 |
| Linke | 791 | 68,0 | 9,6 | 14,9 | 0,0 | 1,4 | 6,1 | 6,2 | 49,1 |
| AfD | 383 | 55,4 | 2,3 | 32,1 | 0,0 | 6,3 | 3,9 | 18,0 | 11,8 |
| FDP | 534 | 59,2 | 9,9 | 22,3 | 0,0 | 0,9 | 7,7 | 10,3 | 28,6 |
Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · alle Collab-Posts der beobachteten Kandidierenden, Partner nach Profilname und Handle eingeordnet (teils Einordnung durch die Analyse), Prozentwerte je Partei · nur Kategorien, keine Namen
Wer dabei wirklich Reichweite bringt, sind allerdings meistens nicht die Partei-Accounts. Den größten Teil der Aufrufe liefern einzelne Personen mit großer eigener Community: bekannte Gesichter aus der Bundespartei, Creator oder Medien. Bei der AfD kamen drei Viertel der Partner-Reichweite von prominenten Accounts, bei der FDP und der Linken jeweils mehr als ein Drittel von Creatorn – und das bei nur wenigen gemeinsamen Posts. Am häufigsten tauchen dabei Daniela Sepehri und Pia Schulz bei SPD und Linken auf, Ben Salomo und Guy Katz bei der FDP, dazu das Comedy-Format 82Berlin Stand Up.
Bei den Medien sind es vor allem parteinahe Kanäle, die regelmäßig mitposten. Beim BSW lief ein großer Teil über AKTUALITUM, bei der AfD über blauberlinregional und den Deutschland-Kurier, bei der SPD vereinzelt über den Vorwärts. Klassische Medien wie der Tagesspiegel oder METROPOL FM tauchen dagegen nur vereinzelt auf.
Ein Sonderfall sind Amtsinhabende im Senat. Bei ihnen kommen die Accounts der Senatsverwaltungen und der Senatskanzlei als Partner dazu – insgesamt 196 Collabs. Das ist Amtsreichweite und keine Leistung als Kandidierende, und es wirft die Frage auf, wie stark Behörden-Accounts im Wahlkampf mitspielen sollten.
Und die Beifahrer:innen aus Befund 1? Ihre Sichtbarkeit kommt vor allem von unten, aus den Bezirks- und Ortsverbänden. Im Ergebnis liegen sie im Schnitt nicht besser als ihre Partei.
Collabs mit Landesverband, Fraktion und Bezirk sind ein guter und günstiger Weg, um sichtbar zu werden – sie ersetzen aber keine eigenen Beiträge. Wenn du wirklich neue Menschen erreichen willst, brauchst du einzelne Partner mit eigener Community. Und das Vorfeld der eigenen Partei ist bei vielen noch ein ungenutzter Hebel, genauso wie gegenseitige Collabs mit anderen Kandidierenden.
Weil beide Analysen mit derselben Methode und demselben Zeitraum gemacht sind, lassen sich ein paar Dinge direkt vergleichen. Erstaunlich ähnlich ist das Nutzungsverhalten: Rechnet man nur mit den Parteien, die in beiden Ländern angetreten sind, sind jeweils knapp zwei Drittel der Kandidierenden mit Account regelmäßig aktiv, zwischen einem Sechstel und einem Fünftel fährt nur mit, und der Anteil von Reels und Collabs ist praktisch gleich.
Ähnlich ist auch der Zusammenhang mit dem Ergebnis, sobald man die Amtsinhabenden herausrechnet: In beiden Ländern liegt er auf demselben, schwachen Niveau. Was dagegen landesspezifisch ist, ist die Frage, welche Partei davon profitiert. In Berlin zeigt sich der Zusammenhang am deutlichsten bei den Grünen, in Sachsen-Anhalt war er bei ihnen sogar negativ. Bei der Linken war er dagegen in Sachsen-Anhalt deutlicher als in Berlin.
Typologie und Eigenpräsenz sind in beiden Ländern erstaunlich ähnlich. Welche Partei von Eigenleistung profitiert, ist dagegen landesspezifisch.
Tipp: Die Grafik lässt sich seitlich wischen.
| Kennzahl | Berlin | Sachsen-Anhalt |
|---|---|---|
| Selbstmacher % (Berlin / LSA) | 53,1 | 56,9 |
| Median eigene Posts | 17,0 | 18,0 |
| ρ Posts ohne Amtsinhabende | 0,17 | 0,18 |
| Grüne ρ Posts | 0,56 | −0,20 |
Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst · Vergleich nur mit den Parteien beider Länder (CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD, FDP, BSW), Status ok: Berlin 350, Sachsen-Anhalt 197 · Abdeckung nicht vergleichbar
Nicht vergleichen lässt sich alles, was davon abhängt, wie viele Accounts gefunden wurden – und dazu gehört auch das Gedankenexperiment mit den Wahlkreisen.
Was sich zwischen den Ländern wiederholt, ist ein allgemeines Muster: regelmäßig selbst posten, statt nur mitzufahren. Welche Partei davon wie stark profitiert, hängt dagegen an der Lage im Land – Erfolgsrezepte aus einem Bundesland lassen sich deshalb nicht einfach auf ein anderes übertragen.
Wer hat im Berliner Wahlkampf eigentlich die meisten Menschen erreicht? Die folgende Liste zeigt die 25 Direktkandidierenden mit den meisten Aufrufen ihrer eigenen Reels, über alle Parteien hinweg und rein nach Zahlen. Zusammen kommen sie auf 75,7 Prozent aller Aufrufe. Nur vier von ihnen haben ihren Wahlkreis gewonnen, sieben hatten bereits ein Mandat oder ein Senatsamt.
Rang nach Aufrufen der eigenen Reels, über alle Parteien hinweg. Die Spaltenüberschriften sortieren die Tabelle.
| Rang | Name | Partei | Wahlkreis | Aufrufe eigener Reels | Anteil | Direktmandat | Amt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Marcel Hopp | SPD | Neukölln 4 | 9.668.420 | 19,0 % | MdA | |
| 2 | Elif Eralp | Linke | Friedrichshain-Kreuzberg 1 | 6.412.053 | 12,6 % | ✓ | MdA |
| 3 | Julian Adrat | AfD | Mitte 5 | 2.332.304 | 4,6 % | ||
| 4 | Jakob Zimmer | Grüne | Charlottenburg-Wilmersdorf 6 | 1.954.705 | 3,8 % | ✓ | |
| 5 | Michael Lüders | BSW | Neukölln 2 | 1.803.911 | 3,5 % | ||
| 6 | Franziska Giffey | SPD | Neukölln 6 | 1.598.069 | 3,1 % | Senat | |
| 7 | Kristin Brinker | AfD | Steglitz-Zehlendorf 1 | 1.572.040 | 3,1 % | MdA | |
| 8 | Corinna Balkow | Grüne | Charlottenburg-Wilmersdorf 2 | 1.529.517 | 3,0 % | ||
| 9 | Steffen Krach | SPD | Steglitz-Zehlendorf 2 | 1.397.722 | 2,7 % | ||
| 10 | Martha Kleedörfer | Linke | Mitte 6 | 1.206.743 | 2,4 % | ✓ | |
| 11 | Faruh Tursunov | BSW | Friedrichshain-Kreuzberg 4 | 1.014.207 | 2,0 % | ||
| 12 | Vivien-Nathalie Keilbar | CDU | Charlottenburg-Wilmersdorf 1 | 845.757 | 1,7 % | ||
| 13 | Noah Häbel | AfD | Treptow-Köpenick 1 | 779.998 | 1,5 % | ||
| 14 | Christoph Schröter | AfD | Tempelhof-Schöneberg 1 | 728.871 | 1,4 % | ||
| 15 | Vasili Franco | Grüne | Friedrichshain-Kreuzberg 5 | 675.990 | 1,3 % | ||
| 16 | Stefan Evers | CDU | Treptow-Köpenick 4 | 674.553 | 1,3 % | Senat | |
| 17 | Pascal Grothe | Grüne | Marzahn-Hellersdorf 4 | 657.552 | 1,3 % | ||
| 18 | Kübra Beydaș | Grüne | Friedrichshain-Kreuzberg 1 | 575.512 | 1,1 % | ||
| 19 | Tobias Schulze | Linke | Mitte 3 | 520.055 | 1,0 % | MdA | |
| 20 | Bettina Jarasch | Grüne | Pankow 1 | 508.201 | 1,0 % | ||
| 21 | Batuhan Temiz | FDP | Lichtenberg 4 | 494.206 | 1,0 % | ||
| 22 | Orkan Özdemir | SPD | Tempelhof-Schöneberg 3 | 407.233 | 0,8 % | ||
| 23 | Tuba Bozkurt | Grüne | Mitte 6 | 402.620 | 0,8 % | MdA | |
| 24 | Christoph Wegener | CDU | Steglitz-Zehlendorf 6 | 375.689 | 0,7 % | ✓ | |
| 25 | Sevim Dağdelen | BSW | Mitte 2 | 356.878 | 0,7 % |
Aufrufe eigener Reels, 14.06.–20.09.2026. Anteil an allen 50.869.927 Aufrufen. MdA: Mitglied des Abgeordnetenhauses vor der Wahl. Instagram, eigene Erhebung (Apify), 14.06.–20.09.2026; Ergebnisse: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (amtliches Endergebnis), CC BY 3.0 DE · andere Kanäle nicht erfasst
Zum Schluss zehn Kandidierende, deren Auftritt sich lohnt, genauer anzuschauen – aus sechs Parteien, mit und ohne bisheriges Mandat, mit und ohne Direktmandat. Ausgewählt habe ich sie nach Regelmäßigkeit, Reichweite und Kandidateneffekt. Schau dir die Profile ruhig selbst an.

CDU · Pankow 2 · @larsbocian

CDU · Steglitz-Zehlendorf 6 · @christophwegener.cdu

SPD · Neukölln 4 · @hopp_stagram

SPD · Tempelhof-Schöneberg 3 · @orkan_oezdemir

Grüne · Charlottenburg-Wilmersdorf 6 · @jakob.m.zimmer

Grüne · Friedrichshain-Kreuzberg 5 · @vasi_f

Die Linke · Friedrichshain-Kreuzberg 1 · @eliferalp

Die Linke · Mitte 6 · @marthriarchy

FDP · Lichtenberg 4 · @batuhan.temiz_

Volt · Mitte 1 · @anna.auerbach
Selbst posten, nicht nur mitfahren. Plane mindestens einen eigenen Beitrag pro Woche über die gesamte heiße Phase. Collabs mit deinem Bezirksverband sind ein guter Zusatz, aber kein Ersatz.
Einen Rhythmus über die ganze heiße Phase halten. Der Wahlkampf auf Social Media dauert nicht zwei Wochen, sondern mehrere Monate. Plane deine Beiträge so, dass sie über den gesamten Zeitraum tragen, und nicht nur in den letzten Tagen vor der Wahl.
Am eigenen Parteiergebnis messen. Vergleiche dein Erststimmenergebnis immer mit dem Zweitstimmenergebnis deiner Partei im selben Wahlkreis. Nur so siehst du, was du selbst beigetragen hast.
Reichweite als Bonus planen, nicht als Mandatsstrategie. Wo die Partei stark ist, entscheidet sie das Mandat. Wo sie schwach ist, verbessert Reichweite dein Ergebnis, ersetzt aber keine Wahlkreisstrategie.
Amtsreichweite nicht mit eigener Reichweite verwechseln. Wer ein Amt hat, startet mit einem großen Vorsprung. Wer keins hat, sollte sich an der eigenen Resonanz messen, nicht an den Followerzahlen der Amtsinhabenden.
In meinem kostenlosen betterpolitics Creator Club wirst Du als Erstes informiert, wenn ein neuer Analyse-Report veröffentlicht wird. Einfach eintragen und von den Ergebnissen profitieren.
Grundgesamtheit sind alle 670 Direktkandidierenden zur Wahl des Abgeordnetenhauses von Berlin am 20. September 2026 laut Amtsblatt für Berlin Nr. 36 vom 27. August 2026. Die Wahlergebnisse stammen aus dem amtlichen Endergebnis, das der Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026 festgestellt hat (Ergebnis nach Wahlbezirken, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Lizenz CC BY 3.0 DE). Gegenüber dem vorläufigen Ergebnis hat sich ein Wahlkreissieg geändert: Spandau 1 ging mit 34 Stimmen Vorsprung an die AfD statt an die CDU.
Die Instagram-Accounts wurden in mehreren Runden recherchiert: über Partei- und Fraktionsseiten, eigene Webseiten, abgeordnetenwatch.de, die Instagram-eigene Suche und eine manuelle Gegenprüfung. Für 449 Kandidierende wurde ein Account gefunden. Ausgewertet werden konnten 423: 390 mit Beiträgen im Zeitraum und 33 ohne. 19 Accounts sind privat, 7 Handles existieren nicht mehr. Für 193 Kandidierende ließ sich kein Account finden, bei weiteren 28 ließ sich keiner bestätigen – bei 12 davon spricht die Quellenlage dagegen, dass es einen gibt. Fehlende Werte sind nicht null – bei den nicht gefundenen Accounts ist nicht zu unterscheiden, ob es keinen Account gibt oder er nur nicht auffindbar war.
Die Posts wurden mit Apify (instagram-post-scraper) erhoben, Zeitraum 14. Juni, 0 Uhr, bis 20. September 2026, 18 Uhr, ohne angepinnte Beiträge. Weil die Erhebung einzelne Profile nicht vollständig geliefert hat, wurden auffällige Profile ein zweites Mal erhoben und beide Läufe zusammengeführt. Bei Profilen, die nur einmal erhoben wurden, sind die Zahlen der Beiträge und Aufrufe als Untergrenze zu verstehen. Aufrufe gibt es öffentlich nur für Reels, Follower nur mit dem Stand nach der Wahl (2. Oktober 2026).
Der Kandidateneffekt ist das Erststimmenergebnis einer Person abzüglich des Zweitstimmenergebnisses ihrer Partei im selben Wahlkreis. Zusammenhänge sind als Rangkorrelation (Spearman) innerhalb der Parteien berechnet. Ein Zusammenhang ist keine Ursache, und Reichweite ist oft eine Folge von Bekanntheit, besonders bei Amtsinhabenden. Die Ost-West-Zuordnung der Wahlkreise folgt dem Amt für Statistik, zwei Wahlkreise sind dort nicht zugeordnet. Der Ost-West-Vergleich bezieht sich auf die Kandidierenden mit beobachtbarem Account. Zählt man alle ohne Account mit null, wird der Unterschied ohne Amtsinhabende knapp signifikant – auch deshalb spreche ich von einer Tendenz und nicht von einem gesicherten Befund.
Das Follower-Parlament folgt den §§ 17 und 18 des Landeswahlgesetzes: Hare/Niemeyer, Fünf-Prozent-Hürde oder mindestens ein Wahlkreissitz, Abzug des Sitzes eines erfolgreichen Einzelbewerbers. Überhang- und Ausgleichsmandate sind nicht berücksichtigt.
Alle Parteien sind als Datenpunkte enthalten. Ausgewertet wurde nur Instagram, andere Kanäle wie TikTok, Facebook oder X sind nicht erfasst. Negative Befunde werden nur zusammengefasst dargestellt, positive Beispiele namentlich.
Bildnachweis: Titelbild „Abgeordnetenhaus von Berlin 0240“, Foto: Dosseman, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0, bearbeitet (Ausschnitt, Farbfläche).
Ich helfe mit betterpolitics politisch Aktiven dabei, professioneller zu kommunizieren. Bevor ich mich selbständig gemacht habe, war ich mehrere Jahre Büroleiter und Pressesprecher im Landtag von Baden-Württemberg. In meiner Masterarbeit habe ich die kandidatenbezogene Social-Media-Kommunikation zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 empirisch untersucht.
Mit den betterpolitics Analysen werte ich politische Kommunikation auf Social Media datenbasiert aus – kostenlos und parteiübergreifend.
Wenn du möchtest, dass dein eigener Wahlkampf heraussticht, melde dich gern bei mir.