So plant ihr euren Social-Media-Auftritt für den Landtagswahlkampf 2027 – Schritt für Schritt

Inhaltsverzeichnis

Wann fängst du eigentlich an, deinen Wahlkampf auf Social Media zu planen? Wenn deine ehrliche Antwort „so drei, vier Monate vorher“ lautet, bist du damit nicht allein – und genau das ist das Problem, das ich in den letzten Jahren bei vielen Kandidaten und Kreisvorständen beobachtet habe.

2027 ist ein Superwahljahr. Am 18. April wählen das Saarland und Schleswig-Holstein, eine Woche später, am 25. April, folgt Nordrhein-Westfalen. Drei Landtagswahlen in einem Monat, drei völlig unterschiedliche Wählerschaften, drei Kampagnen, die parallel um Aufmerksamkeit, Ehrenamtliche und Budget konkurrieren. Wer erst im Februar 2027 anfängt, sich zu fragen, wie der eigene Instagram-Auftritt aussehen soll, hat bereits einen entscheidenden Vorteil verschenkt: Zeit.

Ich habe mir die aktuelle Ratgeberlandschaft angeschaut, bevor ich diesen Artikel geschrieben habe. Was ich gefunden habe, waren entweder allgemeine Wahlkampf-Leitfäden, die Social Media nur als einen von zwanzig Bausteinen abhandeln, oder reine Terminlisten ohne echte Anleitung. Eine konkrete Schritt-für-Schritt-Planung speziell für die drei 2027er-Landtagswahlen gibt es bislang nicht. Das will ich hier ändern.

Warum jetzt starten – die drei Wahltermine und ihr Vorlauf

Rechnen wir kurz zurück. Vom 18./25. April 2027 aus betrachtet, bist du im August 2026 – also jetzt – noch rund acht bis neun Monate vor dem Wahltag. Das klingt komfortabel, ist es aber nicht, wenn du bedenkst, was in dieser Zeit alles passieren muss: Kandidatenaufstellungen, Programmarbeit, die eigentliche Content-Produktion, dazu der ganz normale Alltag zwischen Ehrenamt, Beruf und Familie, der bei den meisten Kandidaten nebenher weiterläuft.

Aus meiner eigenen Erfahrung als Pressesprecher und Büroleiter im Landtag und rund 9 Jahren politischem Ehrenamt heraus würde ich sagen: Die Vorwahlkampf-Phase, in der du Kanäle aufbaust, Reichweite sammelst und dein Publikum an dich gewöhnst, sollte mindestens sechs Monate vor dem heißen Wahlkampf beginnen. Wer erst wenige Wochen vor der Wahl auf Social Media aktiv wird, startet ohne Algorithmus-Vertrauen, ohne bestehende Follower-Basis und ohne eingeübte Abläufe – das ist ungefähr so, als würdest du versuchen, einen Marathon zu laufen, ohne vorher trainiert zu haben.

Was das für dich heißt: Wenn du in NRW, Saarland oder Schleswig-Holstein antrittst oder ein Team betreust, das antritt, ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, die nächsten vier Schritte anzugehen.

Schritt 1: Zielgruppe und Kanalwahl festlegen

Der häufigste Fehler, den ich sehe: Kandidaten wollen „auf allen Kanälen präsent sein“, weil sie glauben, das erhöhe automatisch die Reichweite. Tut es nicht. Es verteilt stattdessen begrenzte Zeit und Energie über zu viele Baustellen, sodass am Ende überall nur Mittelmaß entsteht.

Frag dich stattdessen erst, wen du überhaupt erreichen willst – und leite die Kanalwahl davon ab:

  • Kommunalpolitisch verankerte Kandidaten, die vor allem ältere, ortsgebundene Wählerschaften ansprechen, erreichen ihre Zielgruppe oft eher über Facebook und lokale Nachrichten-Communities als über TikTok.
  • Wer sich stärker an eine jüngere, urbane Wählerschaft richtet oder ohnehin schon ein digitales Profil aufbaut, kommt an Instagram und TikTok kaum vorbei – gerade bei Themen wie Bildung, Wohnen oder Klima, die auf Kurzvideo-Plattformen gut funktionieren.
  • LinkedIn lohnt sich fast immer zusätzlich, wenn du dich an Multiplikatoren, Presse, Wirtschaftsverbände oder die eigene Partei-Community richtest. Das ist jetzt der Massenreichweiten-Kanal, sondern als Sichtbarkeits- und Vernetzungs-Tool auf Landesebene gedacht.

Für die Landesebene heißt das konkret: Ein Direktkandidat in einem ländlich geprägten Wahlkreis in Schleswig-Holstein braucht wahrscheinlich eine andere Kanal-Gewichtung als eine Kandidatin in Bochum für den Landtag in NRW. Leg dich hier bewusst auf zwei, maximal drei Hauptkanäle fest, bevor du überhaupt anfängst, Content zu planen. Alles andere kannst du später als Ergänzung mitnehmen, aber nicht als gleichwertigen Schwerpunkt.

Schritt 2: Content-Säulen und Rhythmus für die Vorwahlkampf-Phase definieren

Sobald die Kanäle stehen, brauchst du eine Struktur, die verhindert, dass du jede Woche neu überlegst, worüber du eigentlich posten sollst. Das ist der Punkt, an dem die meisten ehrenamtlichen Teams schon nach vier Wochen die Puste verlieren – nicht aus Faulheit, sondern weil freie Themenwahl ohne System einfach anstrengender ist, als sie sein muss.

Leg dir drei bis vier Content-Säulen fest, die sich über die gesamte Vorwahlkampf-Phase durchziehen. Bewährt haben sich in meiner Arbeit mit Kandidaten und Fraktionen zum Beispiel:

  1. Positionierung: Wofür stehst du inhaltlich, welche zwei, drei Themen sollen untrennbar mit deinem Namen verbunden werden.
  2. Nahbarkeit: Einblicke in deinen Alltag als Kandidat, deine Beweggründe, deine Termine vor Ort. Dieses Format funktioniert bei politischen Accounts besonders gut, weil es Distanz abbaut.
  3. Erklärung: Komplexe Landespolitik-Themen so herunterbrechen, dass sie auch ohne Vorwissen verständlich sind. Hier ist der Ort, an dem dein Expertenstatus entsteht.
  4. Dialog: Fragen aus der Community aufgreifen, Kommentare beantworten, Umfragen nutzen – alles, was zeigt, dass du zuhörst, statt nur zu senden.

Für den Rhythmus in der Vorwahlkampf-Phase (also jetzt bis etwa zum Jahreswechsel 2026/2027) reicht in der Regel ein deutlich ruhigerer Takt als im heißen Wahlkampf selbst – zwei bis drei Postings pro Woche, dafür konsequent und ohne lange Lücken. Die Frequenz kannst du dann ab dem Frühjahr 2027, wenn der eigentliche Wahlkampf beginnt, gezielt hochfahren. Wichtiger als viel Content von Anfang an ist, dass du überhaupt durchhältst – ein Rhythmus, den du drei Monate lang nicht durchhältst, bringt dir am Ende weniger als ein bescheidenerer Rhythmus, den du wirklich jede Woche einhältst.

Schritt 3: Ressourcen, Team und Tools aufsetzen

Hier zeigt sich meistens die eigentliche Sollbruchstelle. Viele Kandidaturen scheitern nicht an fehlenden Ideen, sondern daran, dass niemand konkret zuständig ist, wenn es darauf ankommt. Ideen bleiben Ideen, weil zwischen „das sollten wir mal posten“ und einem tatsächlich veröffentlichten Beitrag niemand die Verantwortung übernimmt.

Kläre deshalb jetzt, nicht erst im Wahlkampf selbst:

  • Wer produziert Content (Fotos, Videos, Texte) – du selbst, ein Ehrenamtlicher aus dem Team, eine externe Unterstützung?
  • Wer entscheidet final, was veröffentlicht wird, und wer hat Zugriff auf die Accounts? Gerade bei mehreren Beteiligten lohnt sich früh eine klare Absprache, damit nicht am Wahlabend plötzlich niemand mehr weiß, wer das Passwort hat.
  • Welche Tools braucht ihr für Planung und Umsetzung? Ein einfacher Redaktionsplan (Tabelle oder Notion-Board reicht für den Anfang völlig), ein Tool zur Vorausplanung von Postings sowie Basis-Equipment für Foto/Video, falls noch nicht vorhanden (hierzu habe ich eine Liste mit Empfehlungen erstellt, die ich selbst nutze).

Wenn euer Team ehrenamtlich getragen ist, plant realistisch mit den Zeitkontingenten, die tatsächlich da sind – lieber ein Kanal, der zuverlässig bespielt wird, als drei Kanäle, die nach der zweiten Wahlkampfwoche verwaisen, weil niemand mehr Kapazität hat.

Genau an diesem Punkt – Ressourcenplanung, Teamaufbau, realistische Kapazitäten – sehe ich in meiner Arbeit mit Kandidaten und Fraktionen immer wieder den größten Hebel: Wer hier von Anfang an eine externe Einschätzung einholt, spart sich im Wahlkampf selbst viele der Probleme, die sonst erst auffallen, wenn es schon eng wird.

Schritt 4: Meilenstein-Fahrplan bis zum Wahltag

Damit die drei Schritte oben nicht nur ein einmaliges Konzept bleiben, sondern tatsächlich durchgezogen werden, braucht es einen groben Zeitplan mit festen Meilensteinen. Hier eine Orientierung, wie ich das selbst strukturieren würde – pass die konkreten Monate an, je nachdem, wann bei euch die Kandidatenaufstellung feststeht:

  • Bis Herbst 2026: Kanäle final festgelegt, Content-Säulen definiert, Team- und Rollenverteilung geklärt, erste Postings im ruhigen Vorwahlkampf-Rhythmus laufen.
  • Winter 2026/2027: Erste Auswertung, was funktioniert und was nicht – Rhythmus und Formate bei Bedarf anpassen, bevor der eigentliche Wahlkampf beginnt.
  • Frühjahr 2027 (ca. Januar/Februar): Übergang in den heißen Wahlkampf – Frequenz erhöhen, Wahlkampf-spezifische Formate (Kandidaten-Duelle, Regionalthemen, Wahlprogramm-Erklärstücke) ergänzen.
  • Bis 18./25. April 2027: Letzte Wochen vor der Wahl – Mobilisierung, Wahlaufrufe, verstärkte Präsenz auf allen festgelegten Kanälen.

Dieser Fahrplan ersetzt keine individuelle Planung für deinen konkreten Wahlkreis oder deine konkrete Landesliste – aber er gibt dir einen Rahmen, an dem du dich orientieren kannst, statt jeden Monat neu zu improvisieren.

Zusammenfassung

Drei Landtagswahlen an zwei Terminen im April 2027, und die entscheidende Vorwahlkampf-Phase läuft schon jetzt. Wer jetzt die Zielgruppe und Kanäle festlegt, Content-Säulen und Rhythmus definiert, Team und Tools aufsetzt und sich einen groben Meilenstein-Fahrplan gibt, hat im Frühjahr 2027 einen handfesten Vorsprung vor allen, die erst dann anfangen, sich Gedanken zu machen.

Falls du gerade selbst mittendrin steckst, eine Kandidatur vorbereitest oder ein Wahlkampfteam betreust – ich begleite genau solche Vorbereitungen regelmäßig, von der Strategie bis zur konkreten Umsetzung mit Grafik- und Videoproduktion. Wenn du deinen Social-Media-Auftritt für 2027 nicht dem Zufall überlassen willst, lass uns gerne unverbindlich darüber sprechen, wie ich dich dabei unterstützen kann.

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Autor

Pascal Schejnoha

Pascal ist Gründer von betterpolitics und schreibt über politische Kommunikation im Real Life und auf Social Media aus dem politischen Herzen Stuttgarts.

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